Auf der Suche nach anschaulicher Verkündigung

Bad Oeynhausen (AM). Der Tag ihres 40-jährigen Ordinationsjubiläums wird der letzte Arbeitstag von Pfarrerin Eva Guleiof sein. Bereits einen Tag zuvor, am Sonntag, 17. Dezember (dritter Advent), wird der stellvertretenden Superintendent Pfarrer Lars Kunkel um 10 Uhr im Gottesdienst in der Wittekindshofer Erlöserkirche in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (Zur Kirche 8) die Seelsorgerin feierlich in den Ruhestand verabschieden.

Eva Guleiof hat Theologie in Greifswald und Jena studiert, wurde in der Marienkirche in Berlin ordiniert und war sieben Jahre Pfarrerin in fünf Landgemeinden im Oderbruch. Aus politischen Gründen hat sie 1984 die DDR verlassen, hat sich in der Frauenarbeit in Niedersachsen engagiert und 1988 eine Pfarrstelle in Gelsenkirchen-Buer mit den Schwerpunkten Jugendarbeit, Familien und Bedürftige angetreten. Seit 1999 ist sie Pfarrerin im Wittekindshof und als Seelsorgerin für verschiedene Wohnhäuser für Menschen mit Behinderung in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen am Vorwerk und auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände zuständig. Sie gestaltet Gottesdienste an den Sonntagen, in den Wohnhäusern und in der Förderschule sowie zu Beerdigungen.

18 Jahre als Seelsorgerin im Wittekindshof

Schon zu Beginn ihrer Wittekindshofer Amtszeit hat sie eine Jugendgruppen für Kinder und Jugendliche mit schwerer Mehrfachbehinderung aufgebaut und langjährig geleitet. Sie hat kirchlichen Unterricht erteilt, junge Menschen getauft und konfirmiert. Zu ihren Aufgaben gehörten biblische Mahlzeiten, Gesprächskreise, geistliche Angebote und Andachten in den Wittekindshofer Werkstätten sowie die Mitarbeit im Presbyterium der Kirchengemeinde Volmerdingsen-Wittekindshof. Als besondere Höhepunkte im Jahresverlauf nennt die scheidende Pfarrerin die Gottesdienste zur Einschulung, Jubiläumskonfirmation, in der Oster- und in der Christnacht sowie am Bescherungstag, die Passionsandachten und Gottesdienste in besondere Form, die Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam gestalten.

Von Ostwestfalen nach Mecklenburg-Vorpommern

Ihre letzten Urlaubstage hat die Mutter von acht Kindern und zwölf Enkelkindern genutzt, um zusammen mit ihrem Ehemann nach Mecklenburg-Vorpommern umzuziehen. „Wir wohnen jetzt in einem kleines Dorf mit einem Schloss, fünf Alleen, drei Badeseen und über 1.000 Einwohnern“, beschreibt die Seelsorgerin ihre neue Heimat, die ihr schon vertraut ist, weil sie dort bereits kurz nach der Wende ein altes Schnitterhaus in einer großen Gutsanlage gekauft und seitdem als Ferienhaus genutzt hat. „Es ist ungewohnt, dort mit meinem Mann alleine zu leben. Er hat sich viele Jahre lang um den Haushalt und die Kinder gekümmert und mir damit den Rücken für das Pfarramt freigehalten. Jetzt sind unsere Kinder groß, wohnen in der näheren und weiteren Umgebung, aber unser Haus in der Nähe von Grevelsmühlen wird ein Treffpunkt für die große Familie sein“, freut sich die Pfarrerin, die bisher mit ihrer Familie auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände gewohnt hat und in der Gemeinde Volmerdingsen-Wittekindshof grundsätzlich zu Fuß unterwegs war. Vermissen wird sie in ihrer neunen Heimat die Herzlichkeit der Menschen mit Behinderung und ihre erfrischende Art, die sie als große Bereicherung im Alltag erlebt hat.

Verkündigung bei Menschen mit geistiger Behindeurng

Die kontinuierliche Herausforderung während ihrer gesamten 18-jährigen Dienstzeit im Wittekindshof war für Eva Guleiof die Frage, wie die biblische Botschaft anschaulich und erlebbar verkündigt werden kann, damit sie auch Menschen mit schwerer geistiger Behinderung erreicht: „Zusammen mit Mitarbeitenden und Menschen mit Behinderungen haben wir nach passenden Formen gesucht und uns immer wieder auf neue und spannende Wege begeben“, berichtet die Seelsorgerin, der es wichtig war, dass der Austausch über die biblischen Texte und den eigenen Glauben auf Augenhöhe zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten geschieht.