Die Welt mit anderen Augen sehen

Bad Oeynhausen (JP). "Wir leben bunt!", rufen alle Akteure des inklusiven, generationenübergreifenden Bühnenprojektes, werfen farbige Tücher in die Luft und ernten tosenden Applaus vom Publikum. Die Nachricht ist angekommen. Sie ist der Abschluss des gut einstündigen Auftritts von mehr als 40 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung, der emotional und lustig war, aber auch nachdenklich gestimmt hat.

Seit September haben Kinder der Johanniter-Kindertagesstätte Kunterbunt, Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKG) sowie junge und ältere Erwachsene der Diakonischen Stiftung Wittekindshof gemeinsam mit Theaterpädagoge Canip Gündogdu und Musicaldarstellerin Alina Meinold, die die künstlerische Leitung inne hatten, an diesem Bühnenprojekt gearbeitet. Organisiert wurde es vom Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrums (KIZ) Volmerdingsen. In zwei Aufführungen in der Aula des IKG gab es am Freitag das Ergebnis der Zusammenarbeit zu sehen. Erzählt wurden einzelne Geschichten rund um das Thema Farben und die Erinnerungen und Assoziationen, die sie auslösen.

Erinnerungen in schwarz-weiß

Als Einführung hatten die Schülerinnen und Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums kurze Filme gedreht, in denen alle Beteiligten ihre Lieblingsfarbe nannten. Anschließend war zunächst alles schwarz-weiß. Es ging in die Vergangenheit. IKG-Schülerinnen berichteten von den Erinnerungen der Wittekindshofer Seniorinnen an ihre Haare: "Ich hatte früher lange Zöpfe, die musste ich eines Tages abschneiden. Ich war traurig." Oder: "Ich wollte immer lange Haare haben, habe meine Haare gepflegt, aber irgendwann sind sie kaputt gegangen." Während die Schülerinnen erzählten, flochten die Seniorinnen Mädchen des Kindergartens Zöpfe. Schöne Erinnerungen an die Kindheit im Winter und das Schlittenfahren wurden dargestellt, eine Schneeballschlacht gemacht, Verstecken gespielt und schlafen gegangen.

Publikum wird einbezogen

Dann kamen die Farben und das Publikum ins Spiel. Den Gästen wurden nämlich am Eingang Fragen zu Farben gestellt: Was ist Ihre Lieblingsfarbe? Welche Farbe mögen Sie nicht? Welches ist Ihre Lieblingseissorte? Welchen Gedanken haben Sie bei der Farbe Rot? Und was ist Ihr Lieblingsfußballverein? Anschließend gab es ein kleines Quiz. Farben wurden beschrieben und das Publikum durfte raten.

Nachdenklich stimmte Paula Cucus Beitrag. Die Schülerin kommentierte ihren Filmbeitrag, in dem es um die Wahrnehmung des eigenen Ichs und die Welt ging. Zunächst war alles grau in grau. Eine düstere, depressive Stimmung machte sich breit. Dann wurden ihre Bilder farbig, Paula sprach fröhlich und lächelte. Bunt sei alles viel schöner, stellte sie fest. "Doch gibt es die Farbe Bunt überhaupt? Oder ist das alles nur in meinem Kopf? Das müsst ihr entscheiden", schloss sie ab.

Farben bereichern die Welt

Weitere Geschichten um Farben und wie sie unsere Welt bereichern, folgten. So wurde von dem Schwarz und dem Weiß, dargestellt von Mahmut Arslan und Sabina Ullrich, berichtet. Beide kennen sich nicht, sind allein und einsam, während die anderen Farben (Jungen und Mädchen des Kindergartens Kunterbunt) wild miteinander spielen und ein schönes Leben führen. Dann lernen sie sich kennen, freunden sich an und haben auch Spaß. Das bemerken die anderen Farben und nehmen sie in ihren Kreis auf.

Farben bereichern das Leben, man muss nur darauf achten. Dies wurde durch die unterschiedlichen Sprechbeiträge, Filme und Szenen deutlich. Bunt sein, hat nicht immer nur etwas mit Farben zu tun. Alle Menschen sind unterschiedlich und tragen ihren Teil dazu bei, dass die Welt bunt ist. Und so war der abschließende Satz "Wir leben bunt!" die Zusammenfassung des gemeinsamen Bühnenprojektes und die Nachricht, die die Zuschauer mit nach Hause nehmen sollten.

"Die Welt ist bunt"

"Ich möchte mich für euren großartigen Auftritt bedanken", sagte IKG-Lehrer Lucas Ostrau am Ende der Veranstaltung. "Wir leben heute in einer bunten Welt, das ist auch an unserer Schule spürbar. Wir haben mittlerweile viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, und das ist toll. Hier haben junge und ältere Menschen, mit und ohne Behinderung zusammengewirkt. Es war für alle eine tolle Erfahrung", lobte Ostrau. Und für das Publikum sei es eine tolle Aufführung gewesen. Stehende Ovationen. Und zum Abschluss zählte Schüler Christian Schlamm noch einmal an: "Eins, zwei, drei: Wir leben bunt!" Und die Tücher fliegen in die Luft.