Herford/ Kreis Herford/ Minden-Lübbecke (AM). Tyler blättert gerne in seinem Fotoalbum. Für den Siebenjährigen ist es normal, dass Mama und Papa auf den Fotos fehlen, auf denen er am Kleinsten ist. Mama und Papa sind seine Pflegeeltern, zu denen er kurz vor seinem ersten Geburtstag gekommen ist. Davor hat er monatelang in der Kinderklinik und dann in einer Wittekindshofer Wohngruppe gelebt, die auf umfassende intensive Pflege auch von Säuglingen und Kleinkindern spezialisiert ist. Der heute Siebenjährige ist viel zu früh geboren, hatte vielen Komplikationen, musste mehrfach operiert werden und war lange an Geräte angeschlossen, die Alarm geschlagen haben, wenn etwas nicht in Ordnung war. "Tyler hat sich stabilisiert und er war dann das erste Kind, für den wir eine Pflegefamilie gefunden hatten", berichtet Nadine Irmer vom Wittekindshofer Team der <link internal-link>Westfälischen Pflegefamilien. Mit knapp einem Jahr ist er zu seinen Pflegeeltern umgezogen und hat alle mit seiner Entwicklung überrascht.
Heute kann Tyler laufen, ist für jeden Spaß zu haben, liebt die Eisenbahn und die großen Fahrzeuge in seinem Kinderzimmer und hat viel zu sagen: "Tyler redet den ganzen Tag und braucht ein Gegenüber, das sich in seine Sprache eingehört hat. Lange hat er nur lautiert, jetzt sind Worte zu verstehen. In der Schule trainiert er den Umgang mit dem Sprachcomputer, da er Sprache viel besser versteht als er selbst in Worte fassen kann", berichtet seine Pflegemutter, die sich über jeden Entwicklungsfortschritt freut, auch wenn es für sie und ihren Mann vollkommen in Ordnung gewesen wäre, wenn Tyler dauerhaft auf viel Pflege und einen Rollstuhl angewiesen wäre.
Tyler hat Kontakt zu seinen leiblichen Eltern, aber "Mama und Papa" sind seine Pflegeeltern. Sie haben schon schwere Stunden mit "ihrem Jüngsten" durchgestanden, wenn er krank war, als er noch einmal operiert werden musste oder wenn er einfachen einen schlechten Tag hat, nörgelt und mit nichts zufrieden ist. "Er bindet unsere Aufmerksamkeit vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, aber er steckt uns auch an mit seiner Freude und Begeisterung", erklärt seine Pflegemutter, die sich freut, dass sie zwischendurch auch Unterstützung durch den Familienentlastenden Dienst bekommt: "Ich nehme Tyler überall mit hin, beim Einkaufen kennt ihn jeder, aber wenn ich alleine unterwegs bin, geht es viel schneller. Außerdem tut auch ihm die Abwechslung gut, wenn er mit anderen Menschen spielen und die Welt entdecken kann."
Infoveranstaltung zu Westfälische Pflegefamilien
Die Rehabilitationspädagogin Nadine Irmer ist überzeugt, dass Tylers gute Entwicklung viel mit der Aufmerksamkeit, Liebe und Geborgenheit zu tun hat, die er in seiner Pflegefamilie erlebt. Deswegen sucht sie weitere Paare, Einzelpersonen und Familien, die ein Kind oder einen Jugendlichen mit Entwicklungsverzögerung oder Behinderung aufnehmen: "Für uns ist nicht der Trauschein entscheidend, sondern Erfahrung und der Platz im Herzen für das neue Familienmitglied", betont Irmer. Sie lädt zusammen mit ihren Kolleginnen zu einem Informationsabend über Westfälische Pflegfamilien (WPF) ein am Dienstag, 21. November, um 19 Uhr, im Gebäude der Tagesstrukturierenden Angebote am neuen Wittekindshofer Wohnhaus in der Clarenstraße 7-9 in der Herforder Innenstadt.
Interessierte können sich aber auch jederzeit an das Wittekindshofer WPF-Team wenden: Wittekindshof, Kinder- und Jugendbereich, Sabrina Ostermeier, Anja Weichert und Nadine Irmer, Schülerstraße 2, 32549 Bad Oeynhausen, Telefon (05734) 61-15 55 oder <link>wpf@wittekindshof.de