Bad Oeynhausen/Vlotho (JP). Anna wedelt freudig mit ihrer Rute, als Sabine Krenz den weißen Puppenwagen unter dem Tisch hervorholt. Schülerin Saskia gibt der jungen Schafpudeldame das passende Kommando und Anna nimmt brav im Puppenwagen Platz – einem ihrer Lieblingsplätze. Vom Welpenalter an begleitet Anna ihr Frauchen Sabine Krenz, die Lehrerin an der Schule Wittekindshof ist, regelmäßig mit zur Arbeit. Anna steigert durch ihre Anwesenheit das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und beeinflusst die Lernatmosphäre positiv.
Hund ist von klein auf in der Klasse
Die knapp einjährige Schafpudeldame ist der Star in der Klasse M3. „Seit dem sie zehn Wochen alt ist, kommt an zwei Tagen in der Woche mit zur Arbeit, so konnte sie sich schnell an den Schulalltag und die Kinder gewöhnen. Das gleiche gilt natürlich für die Jungen und Mädchen, die Anna erst einmal kennenlernen mussten. Wir haben Regeln aufgestellt, wie mit Anna umgegangen werden wird und welche Pflichten – wie zum Beispiel das Füllen des Wassernapfs – es gibt. Diese Dienste müssen gewissenhaft ausgeführt werden. So lernen die Schülerinnen und Schüler, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Sabine Krenz. „Natürlich gibt es eine hygienische und gesundheitliche Vorsorge für Anna, sie wird regelmäßig tierärztlich untersucht und erhält alle Impfungen“, betont die Förderschullehrerin.
„Allein die Tatsache, dass Anna den Jungen und Mädchen unvoreingenommen begegnet, stärkt die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler und Schülerinnen und fördert das Selbstbewusstsein“, betont Schulleiter Andreas Becker-Brandt, der seine Zustimmung geben musste, damit die junge Hündin regelmäßig in die Schule kommen darf. „Wir bereuen es keinen Tag, uns für Anna als eine Art Klassenhund entschieden zu haben. Durch ihre Präsenz werden Konzentration und Lernmotivation gefördert. Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre emotionale und soziale Kompetenz durch den achtsamen Umgang mit dem Hund – Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme werden gesteigert. Aber auch die Kommunikation wird verbessert. Die Kinder müssen dem Hund klare Kommandos geben, das motiviert zu deutlicher Aussprache oder es werden neue Gebärden erlernt“, betont Becker-Brandt die Vorteile von Anna als „Arbeitskollegin“.
Martin C. Schröder Stiftung fördert tiergestütztes Angebot
Die Martin C. Schröder Stiftung für behinderte Kinder, die die Schule Wittekindshof seit Jahren unterstützt, fördert das Projekt Klassenhund finanziell. „Anna ist so ein braves Tier und benimmt sich vorbildlich im Umgang mit den Kindern. Es ist schön zu sehen, wie aufgeschlossen die Jungen und Mädchen Anna gegenüber sind und wie gut sie mit ihr kommunizieren. Die Tricks klappen hervorragend. Das steigert natürlich Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl“, freut sich der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer der Martin C. Schröder Stiftung, Hans-Dieter Brüggemann, beim Besuch in der Schule Wittekindshof. Der ehemalige Rektor der Schule am Weserbogen ist begeistert, wie gut der noch so junge Hütehund in den Alltag integriert wurde. Beisitzer der Stiftung Professor Dr. med. C. Erasmus Zöckler aus Bad Oeynhausen freundet sich direkt etwas mit Anna an und krault die verschmuste Hundedame.
Im Laufe der Zeit haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse M3 gemeinsam mit Lehrerin Sabine Krenz ein eigenes Anna-Lied geschrieben, dass für den Hund zur Begrüßung gesungen wird. „Außerdem haben die Jungen und Mädchen sich mittlerweile einige Geschichten rund um Anna ausgedacht, etwa wie Anna wegläuft und wieder zu ihrer Familie wiederkehrt, Annas Abenteuer in der Schule und es gibt noch viel mehr Ideen. Anna regt die Kreativität an. Vielleicht schaffen wir es, ein kleines Buch daraus zu machen“, sagt Lehrerin Krenz. Eines der Bücher wird dann sicherlich den Herren der Martin C. Schröder Stiftung als Dank überreicht.
Martin C. Schröder Stiftung
Die „Martin C. Schröder Stiftung für behinderte Kinder“ wurde 1981 von Hedwig Schröder in Erinnerung an ihren verstorbenen Mann Martin C. Schröder gegründet In die Stiftung eingeflossen sind Teile des Vermögens aus den drei Firmen des kinderlosen Ehepaares: drei Vlothoer und Uffelner Sitzmöbel-, Metall und Kunststofffirmen und eine Immobiliengesellschaft.
Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Martin C. Schröder Stiftung ist der Gründer und ehemalige Rektor der Schule am Weserbogen, der LWL-Förderschule mit Förderschwerpunkt körperlich und motorische Entwicklung, Sonderschulrektor a.D. Hans-Dieter Brüggemann, der dieses Amt im Jahr 2010 von dem verstorbenen Bad Oeynhausener Rechtsanwalt Günther Schmitz übernommen hat. Unterstützt wird Hans-Dieter Brüggemann im Vorstand durch die beiden Beisitzer Professor Dr. med. C. Erasmus Zöckler aus Bad Oeynhausen und Konrektor a.D. Lothar Kottmeier aus Minden.