Bad Oeynhausen (AM). Zum ersten Mal auf neuer Route und zum letzten Mal in einer über 80-jährigen Tradition ist die Kirchengemeinde Bergkirchen am Erntedankfest über die Wie-hengebirgsstraße zur Wittekindshofer Erlöserkirche gezogen. Vorneweg ging wie immer der CVJM-Posaunenchor. Im Gepäck waren zwanzig Bollerwagen gut gefüllt mit Erntegaben, die die Katechumenen und Konfirmanden in den letzten Tagen an den Haustüren in Wulferdingsen und Bergkirchen gesammelt hatten. Ein weiterer Bollerwagen ist auch Eidinghausen dazu gekommen. Ihn hatten die Eltern der Kindertagesstätte Spatzennest gefüllt.
Lange Zeit war offen, ob die Gemeinde die Erntegaben mit den Bollerwagen persönlich überbringen konnten. Aus Sicherheitsgründen war der sonst übliche Weg über die Serpentinen von Bergkirchen nach Volmerdingsen verboten. Durch großen persönlichen Einsatz von Pfarrer Eberhard Baade war es möglich, dass der Zug noch einmal über die deutlich weniger stark befahrene Alternativroute stattfinden konnte.
Erntegaben persönlich überbracht
Bei schönstem Sonnenschein schlängelte sich der bunte Zug am Südhang des Wiehengebirges. Vor allem an den Gefällestrecken hatten die Konfirmanden und Katechumenen alle Hände voll zu tun. Nur in Teamarbeit konnten sie die schwer beladenen Bollerwagen abbremsen. In der Erlöserkirche warteten bereits Menschen mit und ohne Behinderung auf die Gäste, um gemeinsam Andacht zu feiern und Kaffee zu trinken. Vor der Kirche standen Kisten zum Sortieren für Gemüse, Äpfel, Birnen, Kürbissen, Selbstgemachtes und viele andere Lebensmittel bereit. Alle Naturalien werden an Menschen mit Behinderung verteilt, die alleine, in den Wohnhäusern oder bei den Tagesstrukturierenden Angeboten zusammen kochen und backen.
Geldsammlung für pädagogische Arbeit mit Tieren
Den größten Schatz, 1.021, 56 Euro aus den Sammeldosen, hat Pfarrer Eberhard Baade in der Andacht an Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke überreicht. Die Wittekindshofer Gemeinde antwortete mit donnerndem Applaus, noch bevor Baade das Engage-ment seiner Gemeinde loben konnte. Der Pfarrer war stolz, dass auch mit einem relativ kleinen Katechumenenjahrgang die Tausendeuroschwelle geknackt worden war.
Mit Dank berichtete Starnitzke, dass das Geld für Tiergestützte Pädagogik eingesetzt werde, die nur über Spenden und freiwillige Gaben finanziert werden könne: "Die Arbeit mit Hunden, Lamas, Pferden und anderen Tieren kommt gerade Menschen mit schwerer Behinderung zugute, die sonst kaum Nähe zulassen können", sagte der Vorstandssprecher.
"Wir haben die über 80-jährige Erntedankfesttradition heute zu einem guten Abschluss gebracht. Mit den zwanzig Bollerwagen waren deutlich mehr Menschen als in den letzten Jahren unterwegs", erklärte Pfarrer Eberhard Baade, dem der Erntedankfestzug als Zeichen der Ver-bundenheit der Evangelischen Kirchengemeinde Bergkirchen und der benachbarten Diakonischen Stiftung Wittekindshof immer sehr wichtig war. "Die Zeiten ändern sich, wie werden neue Formen finden", waren sich die beiden Pfarrer beim gemeinsamen Kaffeetrinken zum Abschluss des Erntedankfestes einig.