Bad Oeynhausen (AM). "Wer anspruchsvolle Arbeit leistet, braucht guten Ausgleich. Das gilt auch für Tiere. Deswegen ist das neue Außengelände für die zehn Wittekindshofer Therapiepferde so wertvoll", erklärt Reitpädagogin Sylvia Niemeier. Zusammen mit ihrem Team ermöglicht sie in der Reitanlage Lohoff in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen jede Woche rund 100 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung ein Heilpädagogisches Angebot rund um das Pferd - vom Putzen und Streicheln bis zum Reiten und Voltigieren. "Die Pferde müssen sich bei uns immer wieder auf neue Menschen einlassen. Sie erleben ungewöhnliche Situationen, auch wenn jemand schreit oder sich sehr hektisch bewegt. Obwohl sie Fluchttiere sind, müssen Therapiepferde Ruhe bewahren. Unsere Pferde sind psychisch und körperlich stark gefordert", ergänzt Michael Rahmöller seine Kollegin Sylvia Niemeier, die darauf hinweist, dass einige Teilnehmer nicht ausbalanciert auf dem Pferd sitzen: "Was ein Reiter nicht leisten kann, muss das Pferd übernehmen. Das geht nur, wenn die Tiere innerlich ausgeglichen in die Therapiestunden kommen und gut ausgebildete Muskulatur haben."
Große Gefahrenquelle ausgeschaltet
Damit die Therapiepferde ihre anspruchsvolle Arbeit leisten können, sind eine spezifische Ausbildung, regelmäßiges Korrekturreiten zum systematischen Muskelaufbau und gute Haltungsbedingungen eine entscheidende Voraussetzungen: "Die Pferde brauchen viel Bewegung und eine Herde. Sie dürfen nicht den ganzen Tag in ihrer Box stehen. Deswegen kommen sie im Sommer auf die Weide und im Winter auf den Paddock. Jetzt haben wir Weide und Paddock verbunden und zusätzlich eine große Gefahrenquelle ausgeschaltet", freut sich Rahmöller, da durch das neue Außengelände der Paddock direkt vom Stall aus erreichbar ist und die Pferde nicht mehr über die Straße geführt werden müssen: "Jahrelang haben wir den großen Paddock vor den beiden Wittekindshofer Wohnhäusern am Vorwerk genutzt. Es ist aber immer gefährlicher geworden, dorthin mit den Pferden zu gehen, weil viele Autos zu schnell fahren, obwohl gerade hier viele Fußgänger und Tiere unterwegs sind", ärgert sich Niemeier.
Finanziert durch Firmen und Privatspenden
Das neue Außengelände ist direkt hinter dem Stall und in unmittelbarer Nachbarschaft der Wittekindshofer Wohnhäuser entstanden. Er ist mit frischem Wasser und Heuraufen ausgestattet. Im Sommer bieten Bäume Schatten. Der Boden ist mit Gummimatten befestigt, die mit feinem Sand abgedeckt sind und die Pferde zum Wälzen einlädt. Finanziert wurde das neue Außengelände durch Spenden des Löhner Werkzeugspezialisten MAWE-Wetter GmbH, der Firma Großmann & Stühmeier GmbH für Bautenschutz, Balkonsanierung und Dachdeckerei aus Bad Oeynhausen, dem Detmolder Versicherer im Raum der Kirche sowie weiterer Privatpersonen.
Gut für Mensch und Tier
"Das neue Außengelände bietet Bewegungsmöglichkeiten bei fast jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Im Sommer können wir den Zugang zur Weide öffnen, im Winter bietet auch der Paddock viel Platz für die Herde. Die Reithalle ist nah, so dass die Tiere jeweils bis kurz vor ihrem Therapieeinsatz draußen sein können und nicht im Stall stehen müssen", erklärt Niemeier, die weiß, dass sich auch einige Bewohner der Wittekindshofer Wohnhäuser über den neuen Paddock freuen, weil sie die Tiere vom Fenster und aus nächster Nähe beobachten und sie zwischendurch besuchen können.