Töne fühlen mit Musikern der NWD-Philharmonie

Bad Oeynhausen/ Herford (AM). Enrico legt seine kleine Hand um das große Fagott. Holger Zabel spielt ein paar Töne. Enrico hört die tiefen Töne und spürt die Schallwellen. Das ist spannend, ebenso wie die vielen Metall-Klappen an den Holzblasinstrumenten, die Enrico vorsichtig schließen darf. "Das ist unsere Fingerverlängerung", erklärt Holger Zabel, einer der drei Fagottisten der <link http: www.nwd-philharmonie.de external-link-new-window>Nordwestdeutschen-Philharmonie (NWD) aus Herford. Er ist zusammen mit Johannes Hofmann (Klarinette), Hannah Mörchen (Oboe) und Vera Lang (Flöte) in die Schule Wittekindshof nach Bad Oeynhausen-Volmerdingsen gekommen. Die vier Berufsmusiker spielen zwei kleine Konzerte für jeweils zwei Förderschulklassen und stellen ihre Holzblasinstrumente vor.

Konzert im Musikraum

Obwohl doppelt so viele Menschen wie sonst üblich im Musikraum sind, sind die Schülerinnen und Schüler mucksmäuschenstill. Klassische Musik wird, wenn überhaupt nur bei einzelnen ganz oben auf der Hitliste stehen. Jetzt fasziniert die Musik. Aufmerksam hören die sieben bis 17-Jährigen zu und klatschen in der kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Satz. Eigentlich bleibt das Publikum da ruhig, aber der Applaus ist für die Berufsmusiker kein Problem. Ein kurzes Lächeln huscht über ihre Gesichter und sie spielen weiter. Zwischen den einzelnen Stücken sind die Schülerinnen und Schüler an der Reihe. "Das klingt wie ein großes Boot mit Hupe", sagt Nathen und zeigt auf das Fagott.

Anschauliche Instrumentenkunde

Die Schüler finden zu jedem Instrument den passenden Namen. "In der Klarinette ist ein kleines Wackelblatt" berichtet Lukas. Das gefällt Johannes Hofmann und er lüftet ein Geheimnis: Er nimmt das Mundstück von seiner Klarinette ab, bläst hinein, aber er kann seinem Instrument keine Töne mehr entlocken: "Ich brauche diese zwei Bambusblättchen am Mundstück. Wenn ich blase, schwingen sie und diese Schwingungen übertragen sich auf das Instrument, dadurch entstehen die Töne", erklärt Hofmann. "Die Bambusblättchen wackeln", freut sich Lukas und bekommt ein anerkennendes Nicken vom Klarinettisten.

Auch Hannah Mörchen nimmt ihr Mundstück von der Oboe ab und bläst hinein. Die quietschenden Töne bringen die Schüler zum Lachen. Die Oboe selbst klingt sanft und weich. Der Klang der Oboe ist den jüngeren Schülern vertraut, denn sie haben sich erst vor kurzem ausführlich mit dem Musikmärchen "Peter und der Wolf" beschäftigt. "Ist das der Vogel?", fragt ein Schüler, und gibt damit Vera Lang den Einsatz. Sie spielt die Erkennungsmelodie des Vogels, woraufhin einem anderen Schüler einfällt, dass die Oboe die Ente spielt. Auch wenn das Musikmärchen nicht auf dem Programm steht, spielt Holger Zabel auf dem Fagott die Melodie des Großvaters und Johannes Hofmann lässt mit der Klarinette die Katze in den Musikraum kommen.

Geheimnisse der Holzblasinstrumente gelüftet

Aber auch für weniger bekannte Werke war Zeit beim Konzert im Musikraum. Zwischendurch haben die vier Musikerinnen und Musiker ihr Instrumente vorgestellt. Holger Zabel hat das große Fagott auseinander gebaut, damit alle das gebogene doppelte Rohr im Innern sehen konnten. Flötistin Vera Lang hat berichtet, warum ihre Querflöte ein Holzblasinstrument ist: "Sie wird aus Metall gebaut, damit sie lauter und im Orchester besser zu hören ist." Den Schüler fielen immer mehr Fragen an die Musiker ein, die anschaulich und gut verständlich beantwortet wurden beispielsweise mit dem Hinweis darauf, dass ein Instrument so teuer wie ein kleines Auto sei.

Damit war allen klar, dass sie sehr vorsichtig sein mussten, als sie sich zum Abschluss ganz aus der Nähe die vier Holzblasinstrumente angeschaut haben: Enrico und viele anderen haben vorsichtig ihre Hand auf oder das Ohr an das Fagott gelegt und die komplizierte Klappentechnik aus nächster Nähe inspiziert.