Minden (HP). Wo verlaufen sichtbare Grenzen und solche, die nur in unseren Köpfen vorhanden sind? Und wie lassen sie sich überwinden? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzt sich ein inklusives und generationsübergreifendes Bühnenprojekt auseinander, das am Montag, 20. Mai, ab 10 Uhr und am Dienstag, 21. Mai, ab 18.30 Uhr in der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG), Königswall 10, zu sehen ist. "Grenzenlos - Minden, meine Stadt", lautet der Titel der Aufführung. Um dieses Thema in all seinen Facetten zu zeigen, proben derzeit Kinder und Jugendliche der KTG und der Eine-Welt-Grundschule im Haus der Bildung mit Senioren und jungen Menschen mit Behinderung, die die Angebote der Diakonischen Stiftung Wittekindshof nutzen. Organisiert wird die Zusammenarbeit vom Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) Café KLEE. Gefördert wird das Projekt von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.
Angelehnt an den Mauerfall
Insgesamt 44 Darsteller beteiligen sich an dem Projekt, das durch das Bundesprogramm "Ländliche Entwicklung im Förderbereich: LandKULTUR" unterstützt wird. Vokalpädagogin Alina Meinold und Theaterpädagoge Canip Gündogdu, die zuvor bereits in Bad Oeynhausen gemeinsam mit dem Wittekindshof inklusive Projekte auf die Bühne gebracht haben, übernehmen die künstlerische Leitung der Aufführung. Das Thema des Bühnenprojekts ist angelehnt an den Berliner Mauerfall, der sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt. Die Szenen, die die Schauspieler dazu entwickeln, wirken so bezeichnend wie alltäglich: In einer hält ein Bus an einer Haltestelle, doch es dürfen nicht alle Wartenden einsteigen. Zwei Rollstuhlfahrer bleiben zurück, weil kein Platz für sie ist. Als der übernächste Bus sie schließlich mitnimmt, kommen sie zwar am Kino an, aber nicht hinein - die drei Stufen hinauf in die Kinosäle bleiben für sie unüberwindbar.
Jeder darf sich einbringen
Texte für Szenen wie diese wurden von Schülern der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG) geschrieben. Was die Darsteller auf der Bühne dann daraus machen, bleibt ihnen überlassen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt - solange die anderen Mitspieler mit einbezogen werden. "Jeder soll hier die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren und eigene Ideen einzubringen, um am Ende gemeinsam etwas zu schaffen", erklärt Alina Meinold im Flüsterton das Konzept. Hinter ihr gehen die Proben in die nächste Runde. Erwachsene und Kinder stellen auf der Bühne überrascht fest, dass sie dieselben Dinge mögen: Eis, wenn es heiß ist, oder mit Freunden an der Weser sitzen. In der darauf folgenden Szene wird eine Familie daran gehindert, eine Grenze zu passieren - und das, obwohl die eine Seite der Grenze eigentlich kaum von der anderen zu unterscheiden ist.
Gruppendynamik
"Mir macht das Theaterspielen großen Spaß. Ich habe schon bei einer Aufführung in Bad Oeynhausen mitgemacht und wollte das nochmal erleben", sagt die Wittekindshofer Seniorin Uschi Kruck, die auf der Bühne begeistert ihre Ideen einbringt. Mit vollem Einsatz ist auch KTG-Schülerin Hannah Mohrhoff dabei. Sie hat schnell festgestellt, dass vermeintliche Grenzen nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter eine Rolle spielen können. "Wir wiederholen hier vieles, weil Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Vorkenntnissen aufeinandertreffen", erklärt die 17-Jährige. Aber genau deshalb habe ihr die Zusammenarbeit auch großen Spaß gemacht. Sie sei ganz anders gefordert worden, habe gelernt, andere mitzunehmen und Rücksicht zu üben. Dadurch bekomme sie viel zurück, so Mohrhoff. "Wenn ich sehe, wie viel Spaß hier alle beim Spielen haben, dann hat sich das schon gelohnt."
Zu sehen ist das Bühnenprojekt am Montag, 20. Mai, ab 10 Uhr und am Dienstag, 21. Mai, ab 18.30 Uhr in der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule. Karten sind erhältlich an der Abendkasse sowie im KIZ Café Klee für vier Euro (ermäßigt: zwei Euro). Reservierungen werden über <link>tanz@wittekindshof.de entgegengenommen.