Blick zurück

2026: Ein Jahr voller MeilensteineVon den Anfängen im Ruhrgebiet bis zu 100 Jahren auf dem Gründungsgelände

Was vor Jahrzehnten mit ersten Schritten in neue Regionen begann, ist heute ein lebendiges Netzwerk der Unterstützung: Im Jahr 2026 blickt die Diakonische Stiftung Wittekindshof auf zahlreiche Jubiläen zurück, die zeigen, wie vielfältig sich die Stiftung entwickelt hat. 

Mit rund 3.900 Mitarbeitenden unterstützt die Stiftung heute Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in allen Lebensphasen an 19 Standorten in Ostwestfalen, dem Münsterland und dem Ruhrgebiet

Von der diakonischen Gründung hin zu einem modernen Träger, der Tradition und Innovation verbindet – die Jubiläen erzählen Geschichten von Mut, Menschlichkeit und dem Willen, Teilhabe in jedem Lebensalter zu ermöglichen.

20 Jahre Wittekindshof in Hamm und Herne

Seit 2006 ist der Wittekindshof in Hamm und Herne für Menschen mit Beeinträchtigung da. Als erste Anlaufstellen wurden Kontakt- und Informationszentren (KIZe) eingerichtet – niedrigschwellige Angebote, die der Stiftung in den neuen Regionen ein sichtbares Profil gaben. 

Zwanzig Jahre später ist daraus ein breites Netz an Unterstützungsangeboten entstanden. 

Das Bild zeigt die Geschäftsstelle und das heutige KIZ in Hamm.

Die Geschäftsbereiche in Hamm und Herne bieten heute in nahezu allen Lebensbereichen passende Leistungen – von Tagesstruktur und Assistenz für Menschen mit Beeinträchtigung über Intensiv-Ambulantes-Wohnen (IAW) bis hin zu Jugendhilfeangeboten. 

Darüber hinaus hat sich der Wittekindshof in Hamm und Herne mit speziellen Fachkompetenzen, etwa zum Prader-Willi-Syndrom (PWS) und zu Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), als regionaler Ansprechpartner mit großem Know-how etabliert.

Das Bild zeigt das 2021 erbaute Wohnhaus mit PWS-Spezialisierung an der Mont-Cenis-Straße in Herne.

Zwei Häuser mit Haltung und Geschichte

Vor 25 Jahren wurden in Löhne-Gohfeld die ersten beiden Wohnhäuser des Wittekindshofes in einem Ortskern eingeweiht. Auf dem Gelände der ehemaligen Berufsfachschule der Evangelischen Frauenhilfe entstanden das Ernst-Wilm-Haus und das Friedrich-August-Weihe-Haus.

Die Namensgeber sind zwei Persönlichkeiten, die für Glauben und Menschlichkeit stehen: Ernst Wilm (1901–1989) war Gemeindepfarrer in Mennighüffen, stellte sich mutig gegen die nationalsozialistische Euthanasiepolitik und wurde dafür inhaftiert. Nach dem Krieg wurde er Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und Mitglied des Wittekindshofer Vorstandes. 

Friedrich-August Weihe (1721–1771) war Erweckungsprediger in Gohfeld und gilt als prägende Figur der regionalen Kirchengeschichte.

Die beiden Häuser markieren einen wichtigen Schritt der Öffnung des Wittekindshofes in die Gemeinden hinein – mitten ins Leben.

Vom Frauenwohnhaus zum modernen Standort

1956 erwarb der Wittekindshof ein Wohngebäude von der Spinnerei Deutschland in Gronau. Der Grund: akute Platznot auf dem Gründungsgelände in Volmerdingsen. 

In den 1980er Jahren entsprach das Gebäude nicht mehr den Anforderungen moderner Eingliederungshilfe. Der Mittelteil des Annaheims blieb erhalten, die Seitenflügel wurden abgerissen und bis 1995 durch vier neue, moderne Wohnhäuser ersetzt.

So entstand in Gronau ein Standort, der bis heute für zeitgemäßes Wohnen und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung steht.

50 Jahre Johannesschule

Apropos Gronau: In den 1970er Jahren vergrößerte der Standort sein Unterstützungsangebot über das Wohnen hinaus. Vor 50 Jahren, am 1. August 1976, wurde die damalige Tagesbildungsstätte in Gronau in eine Sonderschule für Schülerinnen und Schüler mit geistiger Beeinträchtigung umgewandelt. 

Sie trug zunächst den Namen „Schule für Geistigbehinderte, private Ersatzschule der Stiftung Westfälische Evangelische Heilerziehungs-, Heil- und Pflegeanstalt Wittekindshof". Damit begann die Geschichte der heutigen Johannesschule.

2022 errichtet die Stiftung einen Neubau für die Schule.

100 Jahre Lazarus- und Marienheim

Als die Nachfrage nach Aufnahmen in den 1920er Jahren stark stieg, entschied sich der Vorstand zum Bau von zwei neuen Häusern auf dem Gründungsgelände in Volmerdingsen.

Das Marienheim (für Frauen) wurde im März 1926 eingeweiht, das Lazarusheim (für Männer) folgte im Juli desselben Jahres.

Beide Gebäude erlebten eine bewegte Geschichte: Nutzung durch die Wehrmacht ab 1942, Beschlagnahmung durch die britische Besatzungsmacht bis 1948, danach Umfunktionierung zum Altersheim. 1974 wurden Lazarus- und Marienheim zusammen mit dem Krankenhaus Bethanien zu einem medizinischen Bereich zusammengeführt. Nach Aufgabe des Sonderkrankenhausstatus 1993 erfolgte eine umfassende Sanierung.

Vom Pförtnerhaus zur ersten Poststelle

1926 entstand auf dem Gründungsgelände ein neues Gebäude für die Telefonzentrale, die Posthilfsstelle und die Wohnung des Pförtners: die spätere „Alte Post“.

Bis 1997 war hier die Poststelle des Wittekindshofs untergebracht. Nach ihrer Schließung wurde das Gebäude umgebaut – die ersten Appartements für Klientinnen und Klienten auf dem Campus entstanden, ebenso neue Büroräume.

Heute ist die Alte Post ein lebendiges Beispiel dafür, wie historische Gebäude sinnvoll für moderne Bedürfnisse genutzt werden können.

Vom Arzthaus zum Zuhause für junge Menschen

Ebenfalls 1926 wurde an der heutigen Pfarrer-Krekeler-Straße ein Wohnhaus für einen Arzt und seine Familie gebaut – das spätere Haus Berlin. 

Bis in die 1990er Jahre diente es als Wohnhaus für Mitarbeitende. 1991 begann hier eine neue Wohnform: die Innenwohngruppen. Menschen lebten in kleinen, gemischtgeschlechtlichen Gruppen, die bewusst nur teilweise Leistungen des Wittekindshofs in Anspruch nahmen. Ziel war es, selbstständiges Wohnen vorzubereiten.

2003 zog eine Kinder- und Jugendwohngruppe ein, und seit 2005 gehört das Haus Berlin fest zum Kinder- und Jugendbereich des Wittekindshofes.