Freizeit

Angeln verbindetInklusives Projekt: Landesfischereiverband und Wittekindshof kooperieren

Am Ufer des Datteln-Hamm-Kanals stehen die Angelruten von Julian Wiemer und Patrick Krause bereit. Die beiden Hammer treffen sich regelmäßig zum Angeln. Ihre Freundschaft ist aus einem inklusiven Projekt entstanden, das Menschen mit Beeinträchtigung den Zugang zur Angelfischerei ermöglicht und Begegnungen zwischen Anglerinnen und Anglern schafft.

Sebastian Beitz

Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigung das Hobby und den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur näherzubringen.

Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Sebastian Beitz. Der gelernte Heilerziehungspfleger gehört zum ambulanten Team des Wittekindshofs in Hamm und engagiert sich privat als Inklusionsbeauftragter beim Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. Im Projekt kümmert Sebastian Beitz sich unter anderem um die Koordination und die rechtlichen Rahmenbedingungen. 

„Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigung das Hobby und den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur näherzubringen. Jedem Unerfahrenen wird quasi ein Pate zur Seite gestellt“, sagt er. 

Bevor die beiden Angler ihre Ruten auswerfen, kümmern sie sich um ihren Angelplatz. Herumliegender Müll wird eingesammelt und entsorgt. „Zum einen wollen wir uns am Angelplatz natürlich wohlfühlen, zum anderen geht es auch darum, die Natur zu schützen“, sagt Julian Wiemer.

Dann beginnt die Vorbereitung. Julian Wiemer nimmt sich Zeit und zeigt Patrick Krause, wie er das Futter richtig anmischt, mit dem die Fische angelockt werden. Gemeinsam fädeln sie die Angelschnur in die Rute ein. Julian Wiemer erklärt, worauf beim Einholen geachtet und wie beim Kurbeln gleichmäßig nachgefasst werden muss. 

Der erfahrene Angler arbeitet beim Fischereiverband NRW e.V., dem Dachverband der drei Fischereivereine in Nordrhein-Westfalen. Für die Angelfreundschaft mit Patrick Krause und die Begleitung am Wasser engagiert er sich ehrenamtlich und unabhängig von seiner beruflichen Tätigkeit. „Mir macht es Freude, anderen das Hobby Angeln näherzubringen und sie dabei zu unterstützen“, sagt er.

Plötzlich zuckt die Angelschnur, der Schwimmer, unter dem ein Köder befestigt ist, taucht ab. Ein Fisch hat angebissen. Patrick Krause steht auf, kurbelt rasch, während Julian Wiemer ihn mit dem Kescher unterstützt, den Fang herauszuholen. „Geschafft!“ Die beiden Männer klatschen sich ab: „Petri!“

Für Patrick Krause ist das Angeln Ausgleich zum Alltag. Der Hammer wird seit sechs Jahren vom Wittekindshof unterstützt und hat den Fischereischein, die Prüfung dazu hat er im vergangenen Jahr erfolgreich bestanden. 

„Ist zwar schwer, aber man muss sich auch intensiv mit dem Angelschein beschäftigen. Und das habe ich auch gemacht“, sagt er. Seine ersten Erfahrungen sammelte er bereits als Kind, als er Familie und Bekannte zum Angeln begleitete. Heute nutzt er das Hobby, um zur Ruhe zu kommen: „Da kann ich den Alltag vergessen und auch ein bisschen runterfahren. Und ich genieße die Natur.“

Für Julian Wiemer ist die Angelfreundschaft mit Patrick Krause etwas Besonderes. „Es macht sehr viel Spaß, diese Motivation mitzunehmen, die Patrick ans Wasser bringt“, sagt er. Patrick Krause nehme jede Hürde auf sich, um das Gewässer zu erreichen – mit dem Bus, über längere Fußwege, bei Regen oder Sonnenschein. 

„Diese ehrliche Freude, die man in den Momenten wahrnimmt, wenn der Angelpartner einen Fisch fängt, gibt einem so viel zurück. Das ist teilweise noch intensiver zu erleben, als wenn man diesen Fisch selber gefangen hätte“, beschreibt Julian Wiemer.

Zum Projekt

Das Projekt richtet sich an Menschen mit Beeinträchtigung, die am Wasser Unterstützung benötigen. Manche angeln mit Sonderfischereischein, dem sogenannten „Fischereischein in Begleitung“, andere mit einem normalen Angelschein. „Aber dieser Schein ist keine Pflicht, keine Voraussetzung für die Teilnahme an der Angelfreundschaft“, betont Julian Wiemer. 

„Die Angelfreundschaft unterliegt natürlich den geltenden Gesetzen vor Ort. Nicht jedes Gewässer darf einfach befischt werden. Aber fürs Angeln an sich braucht man im Prinzip nicht viel oder besonderes teures Equipment“, ergänzt Sebastian Beitz. Die nächsten Angeltage sind bereits in Planung, um die Begegnungen zwischen Anglern mit und ohne Beeinträchtigung zu ermöglichen. Er ergänzt: „Unser Ziel ist es, dass es in der Zukunft mehr inklusive Angelfreundschaften gibt. Hierbei unterstützen wir alle Beteiligten gerne.“