Ausbildung fernab der Heimat

Über 5200 Kilometer Luftlinie trennen Etienne Arnaud Poumbok von seiner Heimatstadt Baham in Kamerun. Der 29-Jährige lebt derzeit in Bad Oeynhausen. Er hat sich entschieden, Menschen mit Behinderung in seinem Heimatland zu helfen und hat in Deutschland eine Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker erfolgreich absolviert. Unterstütz wurde er dabei von der Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof.

Kooperationsvereinbarung mit AHP ² V

Etienne Arnaud Poumbok ist Sohn von Marie Denise Simo und Zacharie Pokam, die die Association Humanitaires pour la Promotion des Personnes Vulnerables (zu Deutsch: Humanitärer Verein für die Unterstützung von verwundbaren Menschen), kurz AHP ² V, eine Diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderung, in Baham in Kamerun leiten. Die Brüder- und Schwesternschaft des Wittekindshofes pflegt seit einigen Jahren eine Kooperationsvereinbarung mit AHP ² V, die über persönliche Beziehungen zustande kam: Annika Huneke, die Tochter von Andreas Huneke, Vorsitzender des Wittekindshofer Stiftungsrates und Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Vlotho, absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr in Baham. So erfuhr die Brüder- und Schwesternschaft von der Arbeit, die dort in Kamerun geleistet wird. Diverse Besuche von Mitgliedern folgten, es entstanden Freundschaften und auch die Kooperationsvereinbarung.

Im Praktikum Ausbildungsplatz angeboten

Teil dieser Kooperationsvereinbarung ist es, die personelle Entwicklung bei AHP ² V zu fördern. So kam Etienne Arnaud Poumbok zunächst für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach Bad Oeynhausen. "Ich habe im Schülerdorf, in Haus Bremen/Hamburg, in der Werkstatt an der Sonnenbrede und der Förderschule gearbeitet", berichtet der heute 29-Jährige. Durch Kontakte des Wittekindshofes wurde ihm in dieser Zeit ein dreimonatiges Praktikum in der Orthopädie-Werkstatt der Auguste-Viktoria-Klinik ermöglicht. "Wir wussten, dass Arnaud handwerklich begabt ist", sagte Annette Nagelschmidt, die Mitglied in der Brüder- und Schwesternschaft ist und sich mit ihrem Mann Michael für die Kooperationsvereinbarung mit AHP ² V einsetzt, selbst auch schon vor Ort war und in Deutschland eine Ansprechpartnerin für Poumbok ist.

Finanzielle Unterstützung durch die Brüder- und Schwesternschaft

Bereits im Praktikum zeigte Poumbok Talent. Ihm wurde ein Ausbildungsplatz angeboten, den er gerne annahm. Zwei Mal in der Woche musste er während seiner dreijährigen Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker nach Recklinghausen in die Berufsschule fahren. Eine finanzielle Belastung, die der junge Mann ohne die Unterstützung der Brüder- und Schwesternschaft nicht hätte stemmen können. Die Gemeinschaft zahlte die Zugtickets nach Recklinghausen und zurück. Zudem stand ihm Christian Schwennen, Brüder- und Schwesternältester, beim Behördengängen und den Fahrten zur Seite.

Weitere Kontakte in Deutschland knüpfen

Nach seiner erfolgreichen Ausbildung – Poumboks Abschlussarbeit wurde mit "sehr gut" bewertet – will er nun weitere Erfahrungen in Deutschland sammeln, bevor er zurück nach Kamerun geht. "Die Substanz habe ich im Kopf. Jetzt will ich noch mehr lernen und Kontakte knüpfen", führt der 29-Jährige aus, der langfristig die Einrichtung seiner Eltern übernehmen wird.