Wie bewegen wir Menschen so, dass sie aktiv bleiben, und wie bleiben wir dabei selbst gesund? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung zum Projekt “DIGI-Kinästhetik”, zu der sich Mitarbeitende des Wittekindshofes im Dezember in der Kapelle in Volmerdingsen versammelten. Ziel ist es, Bewegungskompetenz in der Eingliederungshilfe zu fördern und digitale Lernwege zu eröffnen. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) im Rahmen des Programms „rückenwind³“.
Bewegung als gemeinsamer Dialog
In ihrer Ansprache machte Angelika Heudtlaß, Regionale Geschäftsführerin des Wittekindshofes, deutlich, wie eng Bewegung, Gesundheit und Teilhabe miteinander verbunden sind. Alltag in der Eingliederungshilfe bedeutet häufig körperliche und emotionale Herausforderungen: Transfers, Unterstützung beim Aufstehen, Begleitung im Alltag und Dokumentation prägen den Beruf. Kinästhetik bietet hierbei einen Perspektivwechsel. Sie versteht Bewegung als bewussten Dialog zwischen Fachkraft und Klientin oder Klient und nicht als einseitige Handlung. “Kinästhetik heißt, Menschen als aktive Partnerinnen und Partner zu sehen. Wir gestalten Bewegung mit ihnen, nicht für sie”, betonte Angelika Heudtlaß. Dieser Ansatz passt besonders gut in die Eingliederungshilfe. Er stärkt Selbstbestimmung, Teilhabe und das Erleben von Autonomie und entlastet gleichzeitig Fachkräfte, weil aus körperlich belastenden Tätigkeiten gemeinsame, fließende Bewegungsprozesse entstehen.
Lernen, wann und wo es passt
Mit “DIGI-Kinästhetik” werden die Prinzipien der Kinästhetik digital verfügbar gemacht. Kurze Lernmodule, anschauliche Videosequenzen und Reflexionsimpulse unterstützen Mitarbeitende dabei, Bewegungen zu verstehen, zu analysieren und gezielt umzusetzen – unabhängig von Zeit und Ort. So können Alltagssituationen wie Transfers, Positionswechsel oder Begleitung beim Gehen neu betrachtet und verbessert werden. Auch Teamreflexionen lassen sich digital begleiten. Videosequenzen aus der Praxis bieten Anlass, Routinen zu hinterfragen und voneinander zu lernen.
Angelika Heudtlaß machte deutlich, dass Kinästhetik weit über das Thema Bewegung hinausgeht. Der Ansatz verbindet Teilhabe, Selbstbestimmung und Gesundheitsförderung nachhaltig miteinander. Damit diese Wirkung dauerhaft entsteht, braucht es Strukturen, die Gesundheit systematisch fördern. Ein gut verankertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) berücksichtigt körperliche, emotionale und organisatorische Aspekte gleichermaßen. “DIGI-Kinästhetik” soll in diesem Rahmen zu einem festen Bestandteil betrieblicher Prävention und Qualifizierung werden. Projektleiterin Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann betonte, dass der Wittekindshof mit “DIGI-Kinästhetik” einen wichtigen Schritt in Richtung digital unterstützter Gesundheitsförderung geht. “Digitale Angebote können dazu beitragen, dass Mitarbeitende sich praxisnah und alltagstauglich mit Bewegung auseinandersetzen. Das entlastet die Fachkräfte, stärkt die Teams und kommt letztlich auch den begleiteten Menschen zugute”, erklärte Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann.
Praxis zum Mitmachen
Was das konkret bedeutet, zeigten Michael Lilienkamp und Gundula Geist, beide erfahrene Expert*in im Bereich Kinästhetik beim Wittekindshof. In kurzen Übungen demonstrierten sie, wie kleine Veränderungen in Haltung, Berührung und Kommunikation Bewegungen für beide Seiten leichter machen können. Die Teilnehmenden erlebten, wie aus einem “Heben” ein gemeinsames “Bewegen” wird und wie Sicherheit und Wohlbefinden steigen, wenn Bewegung bewusst gestaltet wird.