Beim Jahresempfang der Diakonischen Stiftung Wittekindshof wurde das Reformationsjubiläum aufgegriffen und ein Bogen über 500 Jahre Freiheit gespannt. Hauptrednerin vor den 250 geladenen Gästen war die leitende Theologin der evangelischen Kirche von Westfalen, Präses Annette Kurschus, die an den Reformator Martin Luther anknüpfte: "Freiheit ist In-Beziehung-Sein." Freiheit habe damit zuerst eine Gottesdimension, aber auch eine soziale, zwischenmenschliche, gesellschaftliche und politische Dimension.
Luther gab viele Impulse
Kurschus betonte, dass Martin Luthers Konzentration auf die Gnade auch nach 500 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt habe: "Meine Würde liegt nicht in dem, was ich tue, leiste, habe und bin. Aus diesem engen Korsett bin ich freigelassen. Ich lebe von dem, was mir von Gott her um Christi willen zuteil wird." Luther habe starke Impulse zum aufrechten Gang und zum fröhlichen Nicht-Perfekt-Sein, zum Aufstehen und Den-Mund-Aufmachen, zum Querdenken und zum Neinsagen gegeben.
Freiheit dient dem Nächsten
Durch Freiheit werde auch deutlich, dass die vermeintlich "Schwachen" ihre ganz eigenen Stärken haben. "Dass si ein ihrer Stärke der Gemeinschaft durchaus viel und Unverwechselbares geben. Ich ahne, dass Sie diese Erfahrung hier im Wittekindshof täglich neu auf beeindruckende und berührende Weise machen." Freiheit sei so frei, über sich selbst hinaus nach den Nächsten zu fragen. Die leitende Theologin faste ihre Gedanken in der Formel zusammen, dass Freiheit dem Nächsten diene und damit Gott ehre.