Clarenstraße: Mehr Anfragen als Plätze

Nach zwei Jahren sind die Bauarbeiten an der Clarenstraße wenige Meter von der Herforder Fußgängerzone entfernt weitgehend abgeschlossen. Das Wohnhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung wird Anfang Mai eröffnet. Zeitgleich nehmen die Tagesstrukturierenden Angebote im Nebengebäude ihre Arbeit auf.

Wohnhaus mit Entwicklungschance

"Wir haben deutlich mehr Anfragen als Plätze", berichtet Maik Brands, der für das neue Wohnhaus als Bereichsleiter verantwortlich ist. Der Neubau bietet verschiedene Wohnformen und damit Entwicklungsmöglichkeiten. Der geschützte Bereich umfasst acht Einzelzimmern für Menschen, die auf intensive Unterstützung in allen Lebensbereichen angewiesen sind. "Wir hoffen dass sich die Frauen und Männer mit der Zeit stabilisieren und in eine der zwei kleinen Wohneinheiten für sechs Personen oder eines der vier Einzelappartements umziehen können", sagt Brands und betont, dass das Wohnangebot grundsätzlich darauf ausgelegt sei, fließende Übergänge zu schaffen und langfristig einen Umzug in die eigene Wohnung mit ambulanter Unterstützung zu ermöglichen.

Alltagskompetenzen neu erlernen

"Wir nehmen Menschen auf, die viele Klinikaufenthalte und Wohnungswechsel hinter sich haben. Sie wollen Alltagskompetenzen für ein selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung neu erlernen. Das haben einige vor ihrer Erkrankung ohne Probleme bewältigt. Andere kennen es noch nicht, weil sie bisher im Elternhaus gelebt haben", sagt der Sozialarbeiter. Eine ideale Ergänzung dabei sind die Tagesstrukturierenden Angebote, die in dem Nebengebäude direkt an der Clarenstraße angeboten werden: "Viele müssen sich wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen. Ein Arbeitsplatz in einem Betrieb oder in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist für einige Klienten ein langfristiges Ziel. Im Werkraum der Tagesstruktur oder bei vielen anderen Aktivitäten können sie grundlegende Erfahrungen sammeln und ihre Belastbarkeit langsam steigern", erklärt Brands und weist darauf hin, dass an den Tagesstrukturierenden Angeboten auch Frauen und Männer mit psychischer Beeinträchtigung aus dem Kreisgebiet teilnehmen können.

Diakon Alwin Rüter, der als Geschäftsbereichsleiter für die Angebote in der Clarenstraße zuständig ist, hat schon viele stationäre und ambulante Wohn- und Betreuungsangebote im Wittekindshofer Geschäftsbereich SoLe (Selbstbestimmte offene Lebenräume) in Bad Oeynhausen und im Kreis Herford aufgebaut. "Wir begleiten seit vielen Jahren Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Uns war es immer ein Anliegen, die Menschen in einem häuslichen Umfeld individuell zu stabilisieren und gemeinsam Zukunftsperspektiven zu erarbeiten. Jetzt können wir ihnen erstmals stationäres Wohnen anbieten, wenn sie auf mehr Unterstützung angewiesen sind als ambulant in der eigenen Wohnung möglich ist", berichtet Rüter.

Wohlfühlen und Gestalten

Die ersten Mitarbeitenden sind bereits seit Wochen regelmäßig im Neubau zum Einrichten und Vorbereiten, aber auch um den Sozialraum mit Einkaufsmöglichkeiten, Freizeit- und Sozialeinrichtungen zu erkunden, erste Kontakte zu knüpfen und  gemeinsam Konzepte zu erarbeiten. "Wir wollen ein sicheres, wohnliches und modernes Wohnumfeld anbieten, in dem sich möglichst alle wohlfühlen und das jeder in seinen vier Wänden nach eigenen Vorlieben gestalten kann", berichtete der für den Bau verantwortliche Projektleiter Ralf Heinis, der neben Aktion Mensch, dem Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW auf weitere Förderer hofft, um den Werkraum weiter auszustatten oder je nach Wunsch der Bewohner Musik- und Sportprojekte zu ermöglichen.

Mehr zum Neubau erfahren Sie in der Pressemitteilung: "Wittekindshofer Neubau Clarenstraße öffnet im Mai".