Design-Projekt: Grenzen und Gewalt

Die Grenze schlängelte sich auf einer Länge von 140 Metern rund um das Wittekindshofer Kunstatelier in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen. Errichtet hatten sie 13 Frauen und Männer aus bunten Trinkhalmen, die sie ineinander gesteckt haben. "Bei der Gemeinschaftsarbeit hat jeder seine Rolle gefunden. Die Eine hat nur Kommandos gegeben, andere waren Reparaturmeister oder hatten eine besondere Technik entwickelt, wie man die empfindliche Grenzschnur bewegen kann, ohne sie zu zerstören", berichtet Matthias Megyeri. Er bietet in dieser Woche zusammen mit Ingrid Hora einen Workshop zum Thema Grenzen und Gewalt an.

International bekannte Künstler

Megyeri und Hora sind zwei international bekannte Künstler aus Stuttgart und Berlin, die an der Grenze zwischen Kunst und Design arbeiten. Die beiden Künstler kennen sich von ihrem Studium am Royal College of Art in London. Ein konkreter Alltagsbezug ist ihnen bei ihrer Arbeit wichtig, die nicht nur Kunst zum Anschauen sein soll. Sie nutzen Materialien innovativ, legen Wert auf Stil und wollen mit ihren Werken einen Beitrag zur Kommunikation leisten, wobei beide ein großes psychologisches Interesse verbindet. "Wir wollen mit unseren Arbeiten die Betrachter zum Denken anregen, aber auch Menschen darin unterstützen, ihr psychologisches Wohlgefühl zu steigern", erklärt Ingrid Hora.

Workshop als Impulsgeber

Im Workshop geben die beiden Künstler Impulse und nehmen Impulse der 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf. Sonst arbeiten die Teilnehmer in den Wittekindshofer Werkstätten. In dieser Woche malen und zeichnen sie, experimentieren mit verschiedenen Materialien, gestalten eigene Objekte oder Gemeinschaftsarbeiten. Vieles dreht sich um Grenzen, Schutz vor Gewalt, Orte, an denen sie sich wohl oder unsicher fühlen. Im Workshop sind Mauern aus Pappkartons, aus Bauklötzen, Knetmasse und unendlich vielen bunten Maisnoppen, aber auch aus einem Materialmix mit Schwimmnudeln entstanden. Mitten im Wittekindshofer Park haben die Frauen und Männer ihr durch Grenzen entstandenes Territorium mit Spielzeugwaffen verteidigt. Immer wieder werden sehr ernsthafte Themen besprochen. Schmerzhafte Erfahrungen kommen in der Erinnerung ganz nah, trotzdem wird viel gelacht.

Design-Projekt über zwei Jahre

Der Workshop ist der Auftakt für ein zweijähriges "Design-Projekt: Als wären wir zum Spaß hier - Grenzen und Gewalt". Der Titel ist eine Anspielung auf die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte des Wittekindshofes, die unter dem Titel "Als wären wir zur Strafe hier. Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung in den 1950er und 1960er Jahren" erschienen ist. Das Projekt führt der Wittekindshof mit Förderung der Aktion Mensch und in Zusammenarbeit mit dem Marta Herford, Museum für Kunst, Architektur, Design, und der Justizvollzugsanstalt Herford durch.

Es knüpft an die Ausstellung "Brutal schön - Gewalt und Gegenwartsdesign" an, die das Marta Herford Anfang 2016 gezeigt hat. Matthias Megyeri hatte die Szenografie entwickelt, also das Konzept für das Ausstellungsdesign, mit dem die einzelnen Exponate präsentiert wurden. Dazu gehörten unter anderem Objekte aus der Wittekindshofer Geschichte als Beispiele für institutionelle Gewalt. Die Justizvollzugsanstalt Herford wirkte bei der Wandbeschriftung mit und hatte in ihren Werkstätten nach den Vorgaben von Matthias Megyeri einen Zaun für die Ausstellung produziert.