Die Vergleichbarkeit fehlt

Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (KP). "Heilerziehungspfleger sind vielgefragte Fachkräfte", sagt Elke Ruthenkolk, Ressortleiterin für Personal und Bildung der Diakonischen Stiftung Wittekindshofes. Davon haben sich die Mitglieder des Landtages Angela Lück (SPD) und Stephen Paul (FDP) ein Bild gemacht. Sie sind mit Auszubildenden der Heilerziehungspflege des Evangelischen Berufskollegs Wittekindshof in den Austausch getreten.

Das Berufskolleg des Wittekindshofes bildet als Schule in freier Trägerschaft Heilerziehungspfleger, Erzieher, Sozialassistenten (mit dem Schwerpunkt Heilerziehung), Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung (Schwerpunkt Heilerziehung) sowie Sozialmanager aus. "Insgesamt schließen jedes Jahr 110 zukünftige Fachkräfte ihre Ausbildung an unserem Berufskolleg ab", sagt Schulleiter Uwe Vogelpohl. Etwa 40 Absolventen übernehme der Wittekindshof jährlich nach der Ausbildung, der Rest steht dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung. "Wir zeigen damit auch regional unsere Ausbildungsverantwortung und bilden dringend benötigte Fachkräfte aus."

Bezahlbarer Wohnraum

Die angehenden Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen (HEP) hatten gemeinsam mit ihrem Lehrer Dr. Frank Winter im Vorfeld des Politikerbesuchs, der eine Aktion des Verbands Freier Schulen war, die Standpunkte der Mitglieder zu aktuellen Themen aus dem Bereich Pflege recherchiert, aber auch Kernaussaugen aus den Parteiprogrammen erarbeitet. Sie machten auf soziale Missstände im Wohnungsbau aufmerksam, aber auch auf tagesaktuelle Themen aus ihrem Berufsfeld und loteten damit die Unterschiede in den Programmen der FDP und SPD aus. Sie wollten wissen: "Was tun Ihre Parteien gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum - auch für Menschen mit Behinderung?" Besonders in Hinblick auf Wohnungen, die gut an den öffentlichen Personennahverkehr, städtische Einrichtungen, Ärzte oder Einkaufsgelegenheiten angebunden sind. Lück verwies dazu auf die vergangene Legislaturperiode, in der die SPD in NRW eine Quote durchsetzen konnte, nach der jede achte Wohnung eines Neubaus rollstuhlgerecht sein musste (die sogenannte "R-Quote"). Bestehenden Wohnraum barrierefrei umzubauen, sei häufig nicht umsetzbar. Paul nahm dies auf: "Wir haben mit unserer neuen Landesregierung festgestellt, dass sich viele Menschen diese Wohnungen nicht leisten können und sie leer stehen. Bei Neubauwohnungen möchten wir die Barrierefreiheit als Standard setzen."

Vergleichbarkeit der Ausbildungen

Auch Fragen zur Vergleichbarkeit der Ausbildung Heilerziehungspflege innerhalb Deutschlands kamen auf: "Wie kann es sein, dass Auszubildende in NRW in der HEP-Ausbildung auch die Pflege von Menschen erlernen, die selbe Ausbildung in Niedersachsen das aber nicht beinhaltet? Das ist nicht gerecht, wir sind dadurch besser ausgebildet, aber das ist für Arbeitgeber nicht zu erkennen", lautete eine kritische Anmerkung aus der Schülerschaft Die mangelnde Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern in Bezug auf Ausbildungsinhalte war für die Politiker neu: "Die Lehrpläne regeln die Bundesländer für sich, aber eigentlich muss es da eine einheitliche Regelung geben. Das werden wir Karl-Josef Laumann, dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, mitgeben."

Elke Ruthenkolk richtete sich nach dem Schülergespräch direkt an Lück und Paul: "Menschen mit Behinderung haben andere Anforderungen an Pflegende als zum Beispiel Senioren. Dies muss Lehrinhalt sein." Uwe Vogelpohl lenkte daher den Fokus noch einmal auf die Qualität der Ausbildung: "Im Berufskolleg sind die Schülerinnen und Schüler mittendrin in der Praxis. Drei Tage in der Woche arbeiten sie in ihren Ausbildungsbetrieben direkt mit." Stephen Paul und Angela Lück waren sich einig: "Diese Themen werden wir mit in den Landtag nehmen."

Gut zu wissen

Das Evangelische Berufskolleg Wittekindshof nimmt für das Schuljahr 2019/2020 Bewerbungen an. Die Ausbildungsberufe sind Erzieher/-in, Sozialassistent/-in mit dem Schwerpunkt Heilerziehung, Heilerziehungspfleger/-in. Außerdem werden die Weiterbildungen und Aufbaubildungsgänge Geprüfte Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (GeFAB) mit Sozialassistenz Schwerpunkt Heilerziehung sowie Sozialmanagement angeboten. Die Bildungsgangleitungen stehen für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Die Vermittlung erfolgt über das Sekretariat des Berufskollegs, Telefon (05734) 61-22 28 oder -22 29. www.wittekindshof.de/berufskolleg