Jana Kramer hat sich für das Diakonische Jahr beworben, weil sie nach dem Abitur nicht wusste, ob eine Ausbildung als Eventmanagerin oder ein sozialer Beruf besser zu ihr passt. Jetzt macht sie Bundesfreiwilligendienst und ist in der Wilhelmstraße in der Bad Oeynhausener Innenstadt eingesetzt. Dort bietet der Wittekindshofer Geschäftsbereich SoLe Wohngemeinschaften vorwiegend für junge Frauen und Männer mit Behinderung an.
„Ich bin im Team von Anfang an super aufgenommen worden. Heute bin ich fast überall dabei. Nur Medikamente verteilen darf ich nicht“ erklärt die junge Frau aus Porta Westfalica. Ein typischer Arbeitstag fängt für sie am Nachmittag an, wenn die Bewohner von der Arbeit kommen. „Die einen strahlen wie ein Honigkuchen, die anderen muss man trösten, weil der Tag nicht gut gelaufen ist. Da herrscht dann Hochbetrieb im Haus, weil jeder etwas loswerden will“, berichtet Kramer.
Die meistern ihrer Bekannten haben Verständnis für ihre untypischen Dienstzeiten. Sie fragen höchstens mal, ob sie keine Angst vor den Menschen habe, dass die mal ausrasten. „Das war vom ersten Tage an auch im Gespräch mit der Bereichsleitung ein Thema. Wir klären im Team, wie wir uns verhalten und vor allem, wie wir Krisen verhindern können. Bisher klappt das prima und ich habe keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht“ berichtet Jana Kramer.
Nicht krass zu Herzen nehmen
Die junge Frau hat trotzdem schon einschneidende Erfahrungen gesammelt: „Wenn ein junger Mensch zu uns als Notaufnahme kommt und nicht mehr als drei Unterhosen, zwei Pullover und Hosen besitzt, sagt das sehr viel über sein Leben. Ich bewundere die Menschen, die trotz allem, so eine tolle Ausstrahlung haben und lachen können,“ erklärt Kramer, die sich immer wieder Gedanken über Nähe und Distanz macht: „Natürlich lässt man das, was man im Haus erlebt, an sich heran. Aber krass zu Herzen nehmen darf man das nicht. Irgendwann muss man und darf man auch mal abschalten.“
Jetzt ist sie sich sicher: Das ist mein Beruf!
Nach einem guten halben Jahr Bundesfreiwilligendienst hat sie keine Zweifel mehr: „Das hier ist mein Beruf“, sagt Jana Kramer die nach der Erzieherausbildung Sozialpädagogik studieren will. Jetzt freut sich sich auf den nächsten Besuch im Herforder GoParc: „Wir bieten Unterstützung im Alltag – das ist Hilfe beim Hausputz, einkaufen und kochen, aber auch sinnvolle Freizeitgestaltung von Drachenbootfahren, über Kickboxen bis Jazzdance und demnächst auch wieder ein Diskobesuch.“
Noch mehr über das Diakonische Jahr von Jana Kramer ist in der Pressemitteilung "Diskobesuch und Protokoll schreiben" zu lesen.