Drexlauf: Matsch, Mut und Miteinander

Der Drexlauf ist der Hindernis- und Spaßlauf des SuS-Neuenbaum e.V. in Hille. Auf schmalen Pfaden zwischen Brennesseln, im Unterholz, auf Wald- und Feldwegen haben über tausend Menschen teilgenommen - darunter in mehreren inklusiven Teams auch Menschen mit Behinderung und Mitarbeitende aus dem Berufsbildungswerk Wittekindshof, aus dem Kinder- und Jugendbereich und vor allem den Wohnangeboten im benachbarten Lübbecke. Im Hauptlauf auf 7,5 bis 15 Kilometern waren die bis zu 30 Hindernisse Pflicht - einer Herausforderung der sich ein Team der Sportabteilung der Therapeutischen Dienste und Mitarbeitenden gestellt haben. Beim Family Run waren auf 3,5 Kilometern ein Dutzend Hindernisse verteilt - zum Mitmachen, wenn die Angst nicht zu groß ist.

Mit jeder Herausforderung wächst der Mut

Und die Angst war groß - zumindest bei einigen am Anfang. Über Schotterberge gehen, Bauzäune erklimmen oder über drei übereinandergeschichtete riesige Rundballen Heu zu klettern, ist alles andere als alltäglich. Aus großen Heuballen war eine riesige Treppe gebaut, danach ging es durch einen Graben in den Wald auf Trampelpfaden. Viele Bewegungen mussten erst einmal ausprobiert werden. Wie geht man durch ein Meer von Autoreifen, die in ein Silo geschüttet waren? Wer ist schon einmal über eine Holzwand geklettert, kennt den Trick mit der Räuberleiter oder hat sich mit einem Seil an einer Steilwand hochgezogen? Gut wenn von hinten gedrückt, von vorne gezogen und am Rande motivierend geklascht und angefeuert wurde, um es mit vereinten Kräften zu schaffen. Auf dem Stoppelacker lagen zwei Kriechröhren und mitten auf dem Weg standen Holz- und Klettergerüste, die man erst einmal erklimmen musste, bevor man auf die Matratze runterrutschen konnte.

Viele Wittekindshofer Teilnehmer sind nicht auf Zeit gelaufen, aber hatten ehrgeizige Ziele: "Ich will alles mitmachen", hatte sich Tobias Guldan vorgenommen und hat es wirklich geschafft. Cornelia Wissen war überglücklich, als sie die große Sprossenwand überwunden hatte. Sie hatte damit die Mitarbeitenden überrascht, aber auch ganz nebenbei deren Höhenangst ausgetrickst. Beim Viehtreibewagen war es für Cornelia Wissen dann keine Frage mehr, dass sie rüberklettern und nicht außen rumgehen wollte. Im Dark-Room aus Heuballen, Bauzäunen, und Silofolie hat sich die Gruppe verirrt, aber trotzdem Ruhe bewahrt und einen Ausgang gefunden. Beim Labyrinth aus über hundert Palletten habe sie den Weg gefunden, aber mussten die ganze Zeit auf allen Vieren kriechen. In dieser Körperhaltung aber mit einer Menge Spaß ging durch den Matschparcours, der für neues Outfit gesorgt hat. Schmutzig aber glücklichNoch mehr Erfrischung boten die sechs Matschlöcher.

Rutschpartie der Extraklasse ins Ziel

Morris und Dorian aus dem Kinder- und Jugendbereich sind mit größtem Vergnügen von den dazwischenliegenden Erdhügeln direkt ins kühle Nass gesprungen. Mit schelmischen Lächeln hat Dorian festgestellt: "Dann wollte mich keiner mehr in den Arm nehmen." Nadine Schmitz und Janine Pollex war das egal. Sie waren zusammen durch den Schlamm gekrochen und danach schmutzig, aber glücklich Arm in Arm weitermarschiert. Der gröbste Dreck verschwand beim Bad in den zwei Mulden direkt vor dem "Berg der Verzweiflung". Es war das mit Abstand höchste Hindernis aus zwei übereinanderstehenden Seecontainer, mit Kletterpartie über ein Netz in schwindelerregender Höhe und extra steiler Rutschpartie ins Ziel.

Megavergnügen und großer Respekt

Der Drexlauf war ein schmutziges Mega-Vergnügen, mit ganz vielen großen und kleinen Mutproben, die Menschen mit Behinderung, Mitarbeitende und weitere Mitstreiter gemeinsam gemeistert haben. Das ist gut für jeden einzelnen und beispielsweise den Teams aus dem Zollamt, dem Garnisonsring und der Hermannstraße oder dem Ambulant Unterstützen Wohnen in Lübbecke. Riesenrespekt gilt den Menschen aus den spezialisierten Wohnangeboten für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom (PWS) oder Menschen mit geistiger Behinderung und Adipositas - für die meisten von ihnen war eine solche sportliche Leistung noch vor einiger Zeit unvorstellbar gewesen. Das regelmäßige Fitnesstraining hat zum Erfolg beim Drexlauf beigetragen.