Mit einem bunten Fest auf dem Schützenplatz hat die Diakonische Stiftung Wittekindshof das 20-jährige Bestehen des Standorts Hamm gefeiert. Gut 200 Gäste kamen zusammen, um auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte zurückzublicken.
Durch das Programm führte Matthias Jacobstroer, Regionalleitung Rhein Ruhr.
Auf der Bühne begrüßte er Pfarrer Marian Zachow, theologischer Vorstand, Diakon André Weber, Geschäftsführung Region Münsterland Rhein Ruhr, und Diakon Bernd Samson, Geschäftsbereichsleitung Hamm/Kreis Warendorf.
Mit einem sportlichen Bild fragte Matthias Jacobstroer augenzwinkernd, welche Rolle die drei auf dem Fußballfeld denn vergleichsweise im Unternehmen hätten, und warf Marian Zachow symbolisch einen Ball zu.
Gott liebt die Vielfalt.
Einen bewegenden Impuls setzte Superintendentin Kerstin Goldbeck mit ihrer Andacht. Sie nahm Bezug auf das Handlungsleitende Bild der Stiftung und auf den Satz „Vielfalt ist unsere Chance“. Wer den Menschen Raum gebe, so unterschiedlich zu sein, wie sie sind, stärke nicht nur Einzelne, sondern die ganze Gemeinschaft.
„Wenn ich mich hier so umschaue und die Schönheit aller Menschen betrachte, finde ich nur einen Grund dafür, dass wir so verschieden schön sind: Gott liebt die Vielfalt“, sagte Goldbeck. In einer Zeit, in der Ausgrenzung wieder lauter werde, sei es umso wichtiger, Vielfalt als Auftrag zu verstehen und sie im Alltag zu leben.
Auch 1. Bürgermeisterin Monika Simshäuser gratulierte und betonte, wie gut der Wittekindshof in Hamm angekommen sei. „Wir wissen Ihre Arbeit hier in der Stadt sehr zu schätzen“, sagte sie. Gerade in schwierigen Zeiten sei es wichtig, die Würde jedes Menschen hochzuhalten.
Für die Diakonie Rheinland Westfalen Lippe würdigte Kirsten Schwenke, juristische Vorständin, die Bedeutung des runden Geburtstags und das, was sich vor Ort entwickelt hat. „20 Jahre, das steht für Beständigkeit, das steht für Vertrauen und auch für gelebte Verantwortung“, sagte sie. Sie habe an diesem Tag erleben können, wie respektvoll und liebevoll mit Menschen umgegangen werde und wie Teilhabe ganz konkret ermöglicht werde.
„Politik kann die Richtung vorgeben, aber es braucht immer Menschen, die den politischen Willen vor Ort auch umsetzen. Inklusion entscheidet sich vor Ort. Inklusion passiert nicht auf dem Papier“, betonte Schwenke. Ihr Dank galt Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Leitungspersonen, die Räume für Selbstbestimmtheit und Teilhabe eröffnen.
Skepsis gewichen
Wie aus anfänglicher Skepsis echte Zusammenarbeit wurde, brachte Christoph Mertens, Geschäftsbereichsleitung der Evangelischen Perthes Stiftung, auf den Punkt. „Es war ein bisschen Argwohn. Breiten die sich hier aus? Werden unsere Angebote noch nachgefragt?“, erinnerte er sich. Heute sehe es anders aus: „Die Angebote des Wittekindshofs sind in der Mitte angekommen. Sie haben Lücken im Hilfesystem geschlossen.“ Aus Argwohn sei Partnerschaft geworden.
Besonders eindrücklich waren zudem die Stimmen von Menschen, die in Hamm Unterstützung durch den Wittekindshof bekommen. Paul Hempel, der im intensiv ambulant unterstützten Wohnen lebt, beschrieb seine Entwicklung: „Früher habe ich mehr Unterstützung gebraucht und heute brauche ich nicht mehr so viel.“
Sandra Kiefer berichtete, wie sehr die Unterstützung ihren Familienalltag entlastet und Beziehungen stärkt: „Ich bin dankbar für die Hilfe bei Alltagsfragen, Behördengängen und Arztterminen. Mein Sohn und ich waren nicht so richtig wie Mutter und Sohn. Heute verstehen wir uns viel besser.“
vkm sorgt für „Gute Laune“
Für echte Partystimmung sorgten zwischendurch die Cheerleader des vkm Hamm (Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen) mit ihrer inklusiven Performance. Zum Lied „Gute Laune“ von GroßstadtEngel tanzten nicht nur viele Gäste, sondern auch Vorstand und Geschäftsführung begeistert mit.
Anschließend präsentierten Klient*innen des Wittekindshofs das selbst geschriebene Stück „Sommer in Hamm“. Humorvoll ging es um Freizeit und Alltag in Hamm, um Schützenfest und Schwimmbad ebenso wie um Haushalt, um neue Herausforderungen und um das gute Gefühl, etwas gemeinsam auf die Bühne zu bringen.
Hamm in Zahlen
Was in Hamm in den vergangenen 20 Jahren gewachsen ist, lässt sich auch in Zahlen zeigen. Aus einem kleinen Team ist ein Standort mit mehr als 150 Mitarbeitenden geworden. Heute unterstützt der Wittekindshof in Hamm über 300 Menschen mit Beeinträchtigung. Dazu gehören beispielsweise Angebote in der eigenen Wohnung, intensiv ambulant unterstütztes Wohnen, das Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) Café Mittendrin, sozialpädagogische Familienhilfe, Jugendhilfe und Tagesstrukturierende Angebote. Der Wittekindshof versteht sich dabei als Teil der Stadt und als Partner im Sozialraum.