Anna strahlt über das ganze Gesicht. Gerade ist sie ihre erste Runde mit dem neuen Tandem-Fahrrad gedreht und ist begeistert. „Das war total toll", sagt die junge Bewohnerin des Wittekindshofer Wohnhauses für Kinder und Jugendliche mit Prader-Willi-Syndrom in Gronau. Für die Mädchen und Jungen ist mit der Anschaffung des Fun2Go-Tandems mit elektrischer Unterstützung ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Möglich gemacht hat dies unter anderem eine Förderung der Sparkassenstiftung Gronau in Höhe von 6.500 Euro.
Stefan Nadicksbernd, Vorsitzender der Sparkassenstiftung Gronau, die Kuratoriumsmitglieder Heidi Buskase und Birgit Hüsing-Hackfort sowie Bürgermeister Jörg von Borczyskowski haben es sich nach der erfolgreichen Anschaffung nicht nehmen lassen, sich selbst einen Eindruck vor Ort zu machen.
Bewegung in den Alltag integrieren
In dem Wohnhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof leben aktuell sieben Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren, die alle das seltene Prader-Willi-Syndrom haben. Diese genetisch bedingte Erkrankung entsteht durch Veränderungen am Chromosom 15 und führt zu einer Funktionsstörung des Hypothalamus. Die Folgen sind vielfältig: Betroffene haben unter anderem eine angeborene Esssucht, einen verlangsamten Stoffwechsel, eine schwache Muskulatur und häufig motorische Einschränkungen. Auch kommen herausfordernde Verhaltensweisen und kognitiven Beeinträchtigungen hinzu. Spaziergänge sind meist nur kurz möglich, das eigenständige Radfahren bleibt vielen verwehrt. Bewegung spielt daher eine zentrale Rolle im Alltag der Kinder.
„Wir müssen schon sehr attraktive Angebote machen, damit die Kinder sich ausreichend bewegen. Mit Spaziergängen kann man sie nicht locken, das braucht immer ein bisschen Abwechslung“, erklärt die für das Wohnangebot zuständige Bereichsleitung Sonja Werges. Das neue Tandem-Fahrrad sei daher ein echtes Herzensprojekt. Das dreirädrige Tandem bietet zwei nebeneinander angeordnete Sitzplätze und ermöglicht es, dass Kinder und Mitarbeitende gemeinsam in die Pedale treten können.
„Wir können spontan eine Runde drehen, zum Beispiel über das nahegelegene ehemalige Landesgartenschaugelände, ohne große Vorbereitungen treffen zu müssen. Die Kinder lieben es, in der Eins-zu-Eins-Betreuung unterwegs zu sein, und die Bewegung an der frischen Luft kann sogar helfen, Krisen zu verhindern.“ Die Kinder sind teils nicht verkehrssicher und benötigen die Begleitung durch Mitarbeitende. So können sie dennoch das Gefühl von Freiheit und Geschwindigkeit erleben, während eine Fachkraft die Kontrolle über das Fahrzeug behält. Die elektrische Unterstützung sorgt dafür, dass auch mal längere Touren möglich sind und auch bei Erschöpfung der Weg nach Hause keine negative Erfahrung ist.