Julien macht das Tennistraining am meisten Spaß, wenn er den kleinen gelben Filzball mit voller Kraft über das in der Mitte des Sportplatzes gespannte Netz schmettern kann. Je besser er den Ball trifft und je weiter dieser fliegt, desto größer wird das Grinsen des Schülers. Die Bälle nach der Übungseinheit alle wieder einzusammeln, ist nicht Juliens liebste Aufgabe, gehört aber zum Training dazu, wie Heiner Oleff deutlich betont.
Tennis ist neu auf dem Stundenplan
Der Trainer des Tennisclubs (TC) Löhne ist gemeinsam mit Carla Iburg und Charlotte Schwagmeier, beide Nachwuchstrainierinnen beim TC, an die Förderschule Wittekindshof gekommen, um zwei Förderschul-Klassen Tennis-Schnuppertraining zu geben. "Vor etwa zwei Jahren hat sich unser Verein auf die Fahnen geschrieben, sich verstärkt der Inklusion zu widmen. Daraufhin haben wir unter anderem die Schule Wittekindshof kontaktiert, um Kindern mit Behinderung diesen Sport näher zu bringen", berichtet Oleff. Förderschullehrerin Marita Horst-Marquardt nahm das Angebot des Tennisclubs gerne an: "Tennis stand bis dato noch nicht auf dem Programm. Uns hat das Angebot aber sehr gefreut, weil Tennis eine Sportart ist, mit der noch nicht viele Kinder in Berührung gekommen sind. Zudem fördert es die Koordinationsfähigkeit. Die Schüler erfahren Erfolge, wenn sie etwa den Ball gut über das Netz spielen oder bei den Geschicklichkeits- und Koordinationsübungen gut sind. Das stärkt das Selbstbewusstsein."
Übungen werden nur leicht modifiziert
Die Übungen haben Heiner Oleff und sein Kollege Marc Walter, der ebenfalls Trainer beim TC Löhne ist, nur leicht modifiziert. "Wir haben alles etwas langsamer beschrieben und vorgemacht. Schließlich sollten die Jungen und Mädchen schnell Erfolge erzielen, damit der Spaß am Sport bestehen bleibt. Aber die Übungen machen wir im Verein mit Kindern ohne Behinderung genauso. Hier gibt es keine Sonderbehandlung. Es tut gut, zu erleben, wie die Schülerinnen und Schüler Fortschritte machen", beschreibt Oleff.
Koordinationsfähigkeit und Aufmerksamkeit waren beispielsweise gefragt, als Oleff und seine Co-Trainerinnen den Jungen und Mädchen einen Ball zuwarf und erst kurz vorher ankündigten, ob dieser mit dem Fuß geschossen, mit dem Schläger geschlagen oder der Pylone in der Hand gefangen werden sollte. Treffsicherheit wurde beim Abwerfen eines Basketballs mit Tennisbällen trainiert.
Spenden ermöglichen weiteres Training
"Die Schülerinnen und Schüler haben viel Spaß beim Tennis und kommen richtig in Bewegung", bilanziert Lehrerin Horst-Marquardt. Sie freut sich, dass das Tennistraining in diesem Schuljahr fortgeführt wird - dann als Unterrichtseinheit, nicht mehr als Schnupperangebot. Spenden ermöglichen es, dass Oleff und Walter zukünftig weiter mit zwei Klassen der Förderschule Wittekindshof den Umgang mit dem kleinen Filzball vertiefen.