Freiheit: Was bedeutet das für mich? Für Dorothea Dohmann ist es ihr Hund Ronja, der bei ihr wohnen darf. Für Klaus Gall ist es die Fahrt im Wattmobil in Cuxhaven. Beim Aschermittwochsempfang, bei dem Präses Annette Kurschus ebenfalls zum Thema Freiheit sprach, haben 250 Gäste einen Einblick erhalten, was Freiheit für Menschen mit Behinderung bedeutet. Bei einer Podiumsdiskussion, moderiert von Ressortleiterin Elke Ruthenkolk, stellten Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende und Mitglieder des Angehörigenbeirats ihre Gedanken zum Thema Freiheit vor.
Hund, Hausregeln und Unternehmungen: Freiheit ist immer anders
Ob es der kleine Hund ist, der die Kommunikation mit Mitmenschen erleichtert, das Mitbestimmen bei den Hausregeln, das gemeinsame Planen von Unternehmungen, der Ausflug nach Cuxhaven mit Spaziergang im Wattenmeer, die Fahrt zu einem Fußballspiel - Freiheit hat viele Gesichter und bedeutet für jeden etwas anderes. Für Cornelia Fey-Starik, Mitwirkende im Angehörigenbeirat, bedeutet Freiheit, zu wählen, wem sie und ihr Mann ihre Tochter anvertrauen. Klaus Gall genießt seine Freiheit, wenn er mit seinem Elektro-Rollstuhl durch Minden fährt. Jeder erlebt Freiheit anders.
Freiheitsentziehende Maßnahmen: "Keiner macht das gerne!"
Zur Arbeit im Wittekindshof gehören aber an manchen Stellen auch freiheitsentziehende Maßnahmen. Diakon Jens Thielking, Koordinator der geschulten Experten zur Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen, berichtete darüber. Dies diene dem Schutz der Personen selbst. Dazu können geschlossene Türen ebenso gehören wie Fixiergurte und Bettgitter. Keine dieser Maßnahmen sei gestattet. "Es sei denn mit Einwilligung der Person, deren Freiheit wir begrenzen, oder wenn es darum geht, die Person vor Gefahren zu schützen und wenn es dem Wohle der Person dient. Aber auch dann gibt es enge Regelungen, wie und wann und unter welchen Umständen freiheitsentziehende Maßnahmen angewendet werden dürfen. Sie dürfen niemals eine angedrohte oder reale Konsequenz für Fehlverhalten sein und müssen rechtlich angeordnet sein", erklärte der Experte. Und weiter erklärte er im Namen der Mitarbeitenden: "Keiner macht das gerne! Das macht jedes Mal etwas mit der Seele des Mitarbeiters."
Freiheit als Aufgabe
Andreas Huneke, Vorsitzender des Stiftungsrates und Superintendent des Kirchenkreises Vlotho, brachte es abschließend auf den Punkt: "Freiheit ist eine Aufgabe. Und wir als Wittekindshof stellen uns dieser Aufgabe." Anschließend leitete er zum traditionellen Grünkohlessen über.