Minden (JP). Was tut mir gut? Was stärkt uns als Team? Was trägt dazu bei, dass wir gesund bleiben oder werden? Mit welchen gesundheitlichen Themen wollen wir uns beschäftigen? Das haben sich die Mitarbeitenden, die Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Minden unterstützen im Vorfeld ihrer individuellen Teamtage zur Gesundheitsförderung überlegt. Die Wünsche waren verschieden und die umgesetzten Angebote reichten vom gemeinsamen Kochevent, über eine Radtour bis hin zu einem Schnupperkurs Yoga und Vorträgen zum Thema Stressbewältigung. Ermöglicht wurde diese neue Form des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) durch die Unterstützung der Heinz Riechmann-Stiftung aus Minden.
"Wir wissen, dass Sie anspruchsvolle Arbeit leisten, indem Sie Menschen mit Behinderung unterstützen. Sie tragen Lebenszeit und Lebenskraft mit in die Stiftung Wittekindshof ein. Daher ist es uns als Leitung ein besonderes Anliegen, unsere Mitarbeitenden bei der Gesundheitsförderung zu unterstützen - und dies ist mit den Teamtagen in Minden ganz besonders gelungen", sagte Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, zur Begrüßung des extra anberaumten Evaluationstreffens mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Teamtage sowie Leitungen und Förderern im Ständersaal des Preußen-Museums.
Probleme werden ernst genommen
Vorbereitet, eng begleitet und systematisch ausgewertet wurden die Teamtage von Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann, die Wittekindshofer Koordinatorin für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), und den beiden Health Communication-Studentinnen der Universität Bielefeld, Milena Stuke und Sarah Bredemeyer, die auch die Auswertung vorstellten. Bereits die Bedarfsanalyse zu Beginn sei von den Mitarbeitenden als Wertschätzung aufgefasst worden, weil Anforderungen, Probleme und Wünsche ernst genommen wurden. Besonders häufig genannt wurden die hohe Arbeitsbelastung, der Umgang mit Stress oder wenig Zeit für gesunde Ernährung. All diese Themen wurden aufgegriffen. "Dank der Förderung ist es uns im Betrieblichen Gesundheitsmanagement erstmals möglich gewesen, diese individuelle Gesundheitsförderung ins kleinste Rädchen zu bringen. Neueste Studien zeigen, dass dies wichtig und besonders effektiv ist", erklärte die BGM-Koordinatorin Lange-Riechmann.
Mischung aus Vorträgen und Bewegung gefällt
Die Zufriedenheit der Teams mit den eigens angepassten Angeboten und der Zeitplanung war enorm hoch. Dies zeigte sich bei den einzelnen Auswertungen der Gesundheitstage und Danksagungen der Teams. Alle hatten zu ihrem Gesundheitstag passende Präsente für die Stiftungsvertreterinnen, Ute Kolbow und Bettina Krachudel dabei. "Wir haben viel über Stressabbau gelernt und wie wir mit den eigenen Ressourcen umgehen. Das ist wichtig, denn wenn ich nicht auf mich Acht gebe, kann ich meine Nächsten nicht lieben", resümierte Andreas Wobig, Bereichsleiter der Tagesstrukturierenden Angebote stellvertretend für das gesamte Team. Sabine Kötitz-Hielscher, Bereichsleitung des KIZ Café KLEE, hatte zunächst Bedenken, ließ sich aber von den Teamtagen überzeugen: "Wir haben so viel zu tun. Ich habe gedacht, dass wir die Zeit doch auch anders nutzen können. Aber wir haben dieses tolle Geschenk bekommen. Die Mischung aus Vortrag und Bewegung war klasse und wir sind ganz schön ins Schwitzen gekommen." Die Abwechslung zwischen Input unterschiedlicher Experten zu Stressbewältigung, Resilienz oder Achtsamkeit und sportlicher Betätigung beim Wandern, Yoga oder ähnlichem gefiel den Mitarbeitenden besonders. "Alle Teams haben von ihren Tagen geschwärmt. Die Unternehmungen und Angebote waren somit auch ein wichtiger Beitrag zur Teambildung", berichtete Jaana-Ann Schwennen, die als Geschäftsbereichsleitung verantwortlich ist für die Wittekindshofer Angebote in Minden. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof unterstützt Menschen mit Behinderung in Minden in gemeinschaftlichen Wohnformen, in der eigenen Wohnung, aber auch im Rahmen von Tagesstrukturierenden Angeboten und im Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) im Café KLEE.
Kollegen ermutigen, Gesundheit am Arbeitsplatz in den Blick zu nehmen
"Kein Team gleicht dem anderen, daher wichen die Anforderungen an die sieben Teamtage voneinander ab. Für die Zukunft ist nun die Frage, wie Sie Ihre Erkenntnisgewinne nachhaltig umsetzen. Ermutigen Sie Kolleginnen und Kollegen, das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz in den Blick zu nehmen. Die Evaluation dieser Teamtage ist eine große Direktive für die Zukunft", erklärte Ute Kolbow, die Vorsitzende des Vorstandes der Heinz Riechmann-Stiftung, die als Treuhandstiftung unter dem Dach der Rita + Günther Rudloff-Stiftung verwaltet wird und die Förderung der regionalen Gesundheitsvorsorge zum Ziel hat. Sie wünsche sich, dass weitere Stiftungen sich dem Thema Gesundheitsförderung widmeten.
Elke Ruthenkolk, die als Ressortleiterin für die Bereiche Personal und Bildung in der Diakonischen Stiftung Wittekindshof verantwortlich ist, richtete noch einmal ihren Dank an die Heinz-Riechmann-Stiftung: "Ohne Ihre Förderung wäre die Umsetzung der vielen Ideen nicht möglich gewesen. Wir konnten zeigen, dass Sport und Bewegung Spaß machen und keine zusätzliche Belastung sind. Mein Dank gilt aber auch allen Mitarbeitenden, die sich auf dieses Angebot eingelassen haben. Gesundheit ist sehr individuell. Was für den einen eine Belastung ist, ist für den anderen eine Herausforderung. Mit den Teamtagen konnten wir allen Ansprüchen gerecht werden."