Gute Stunden am Lebensende ermöglichen

Bad Oeynhausen/ Kreise Minden-Lübbecke und Herford (AM). "Wir schreiben Bücher, um Abschied zu nehmen und nicht zu vergessen", erklärt Diakon Michael Lilienkamp, der Koordinator des ambulanten <link internal-link>Hospizdienstes der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Die Erinnerungsbücher sind ein Gemeinschaftswerk der 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vor allem Menschen mit Behinderung bei schweren Erkrankungen und am Lebensende begleiten. Die Erinnerungsbücher werden weitergereicht. Wer möchte, kann ein Buch mit nach Hause nehmen, um ein paar Worte zu schreiben, ein Bild zu ergänzen oder einen letzten Gruß zu verfassen. "Bei unseren Gruppentreffen bleibt Zeit, um in den Büchern zu blättern und Erinnerungen zu teilen. Die Bücher sind so bunt und abwechslungsreich, wie das, was wir bei den Begleitungen erleben", berichtet Lilienkamp und betont, dass auch im Hospizdienst gelacht werde, weil es immer darum gehe, gute Stunden in der verbleibenden Zeit zu ermöglichen: "Die einen wünschen sich einen Spaziergang, andere wollen noch einmal die Nachbarin besuchen oder zusammen ihren Lieblingswestern gucken oder genießen es einfach, wenn jemand Zeit hat."

"Da kommt unwahrscheinlich viel zurück!"

Die Ehrenamtlichen begleiten über Wochen und Monate, aber können manchmal eine Person auch nur ein einziges Mal besuchen. "Es ist jedes Mal etwas ganz anders. Ich habe bei einer alten Dame auch schon eine Pause in der Begleitung gemacht, weil sie sich zwischendurch wieder sehr gut erholt hatte", berichtet Magret Backsmeier, die die letzten Lebensstunden einer jungen Frau mit schwerer Mehrfachbehinderung besonders intensiv erlebt hat: "Ich habe einfach ihre Hand gehalten. Sie hat gekämpft bis zuletzt."Magret Backsmeier ist ebenso wie Sylke Burghardt Wittekindshofer Mitarbeiterin. Beide engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich im Hospizdienst, weil sie dann genau das tun können, wozu im Arbeitsalltag die Zeit fehlt: "Ich bin mittags zu einer Frau gekommen, die ich schon seit 22 Jahren kannte, obwohl ich nie auf ihrer Wohngruppe gearbeitet habe. Am Anfang konnten wir noch etwas sprechen und sie hatte Durst. Dann war ich einfach für sie da", erklärt Burkhardt und betont, dass sie im Rahmen des Hospizdienstes keine Pflege machen darf und muss: "Ich habe einfach Zeit für den Menschen und muss nicht nur gucken, ob alles läuft. Da kommt unwahrscheinlich viel zurück!"

Neuer Befähigungs- und Ermutigungskurs

Um noch mehr Menschen eine persönliche Begleitung am Lebensende oder bei schweren Erkrankungen zu ermöglichen, sucht Diakon Lilienkamp weitere Ehrenamtliche. Nach einem Kernlerngespräch beginnt das Engagement im Hospizdienst mit dem Befähigungs- und Ermutigungskurs. "Eine Fachausbildung ist nicht erforderlich, wohl aber die Bereitschaft, sich mit den Themen Sterben, Tod und Trauer auseinander zu setzen und eigene Erfahrungen zu reflektieren", erklärt Lilienkamp, der für die Mitglieder des Hospizdienstes auch jenseits der Gruppenreffens als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Für weitere Informationen ist Diakon Michael Lilienkamp zu erreichen unter: Telefon (05734) 61-14 17 oder <link>hospizdienst@wittekindshof.de. Anmeldungen für den neuen Kurs für Ehrenamtliche in der Hospizarbeit sind möglich bis 30. April.