Gottesdienst und Festakt zum Jubiläum im Kreis Borken
"Ich bin Klientin. Ich bin stolz, dass ich zum Festakt eingeladen wurde und dass ich es geschafft habe: Ich habe eine eigene Wohnung", erklärte Romina Ruge spontan zum Abschluss des Festaktes zum 60-jährigen Jubiläum der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Gronau und im Kreis Borken. Die junge Frau hatte schon zusammen mit dem für die Angebote im Kreis Borken verantwortlichen Ressortleiter Reiner Breder, die Gäste in der Gronauer Stadtkirche begrüßt. Ihr Votum am Ende war eine anschauliche Zusammenfassung des Festgottesdienstes und anschließenden Grußworte. Sie drehten sich darum, wie Hand in Hand Teilhabe am Leben in der Gesellschaft für alle Menschen ermöglicht werden kann und wie sich diese Arbeit des Wittekindshofes in den letzten 60 Jahren im Kreis Borken entwickelt hat.
Menschen mit und ohne Behinderung gestalten Gottesdienst
Die Jubiläumsfeiern wurden nach dem Sommerfest mit einem Gottesdienst und anschließenden Festakt abgeschlossen. Gestaltet haben den Gottesdienst mit viel Musik Gemeindemitglieder mit und ohne Behinderung gemeinsam.
Kinder und Jugendliche hatten eine Jesusgeschichte gespielt. Pfarrer Uwe Riese erinnerte daran, dass alle Menschen egal ob sie mit oder ohne Behinderung oder Migrationshintergrund leben Geborgenheit im Leben suchten. Ein Höhepunkt des Gottesdienstes, war die Meditation über Hände. Sie wurde sehr einfühlsam gelesen von Christopher Pöpping, der Angebote des Wittekindshofes nutzt, während Alexandra Wissing-Peuleke, die Leiterin des Familienzentrums Scheelenkamp in Ahaus, den Text in einfache Gesten umgesetzt hat.
Mit den Worten: "Lege deine offene Hand in meine offene Hand und wir beide spüren uns und schenken uns Vertrauen, Geborgenheit und Hilfe", sind die beiden Hand in Hand auf ihre Plätze zurückgegangen.
Festreden und Grußworte
Der Wittekindshofer Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke betonte in seiner Festrede nach dem Gottesdienst, die gute Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Gronau seit 60 Jahren. Nur im Zusammenwirken verschiedener Menschen und Institutionen sei das heutige Leitziel der Inklusion erreichbar.
Superintendent Joachim Annicker vom evangelischen Kirchenkreis betonte, dass Kirche und Diakonie aufeinander angewiesen seien und sich gegenseitig ergänzten. Bürgermeisterin Sonja Jürgens erklärte, dass der Wittekindshof viel dazu beigetragen habe, dass Menschen mit Behinderung in Gronau wahrgenommen und von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert seien.
Der Landtagsabgeordnete Bernhard Tenhumberg plädierte für Hilfen von Geburt an, wie sie die Frühförderung biete: "Je früher man fördert, desto besser lässt sich das Leben bestehen!2 Ausdrücklich setzte er sich für Inklusion ein, aber lobte auch die hervorragende Arbeit der Johannesschule, die anders als viele andere Förderschulen weiterhin hohe Schülerzahlen aufweise und sehr vorbildliche Arbeit leiste.
Kostenträger lobt Wittekindshof
Der Abteilungsleiter Behindertenhilfe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Jürgen Kockmann, lobte den Wittekindshof als verlässlichen Partner auch wenn gelegentlich unterschiedliche Positionen aufeinander stoßen, wenn der LWL als Kostenträger und der Wittekindshof als Leistungserbringer miteinander verhandelten. "In der Region Gronau ist schon viel erreicht. Der Wittekindshof ist kreativ, innovativ, lösungsorientiert und offen für Veränderungen", erklärte der Experte für Behindertenhilfe aus Münster.