Freizeit

„Hier ist jeder willkommen, egal wie er ist“Seit 15 Jahren setzt sich das KIZ Café Solero in Bünde für Inklusion ein – mit Videos

Schon am Eingang des KIZ Café Solero begrüßt ein Aufsteller die Gäste mit einem Satz, der das Jubiläum treffend zusammenfasst: „Schön hier, aber mit dir noch viel schöner.“ 

Seit 15 Jahren ist das Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) der Diakonischen Stiftung Wittekindshof an der Bahnhofstraße ein Ort für Begegnung, Teilhabe und selbstbestimmte Freizeit in Bünde. Bei einer Grillparty zum Geburtstag berichten vier Menschen, warum das inklusive Café für sie so wichtig ist.

Pia Kramer lebt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten in Bünde und wird vom Wittekindshof unterstützt. Die 25-Jährige ist fast täglich im KIZ Bünde zu Gast. „Ich habe auch eine Einschränkung und bin froh, dass es hier diese offene Gesellschaft gibt, sodass wirklich jeder willkommen ist“, sagt sie.

Im KIZ trifft sie Freunde, nimmt an Freizeitaktivitäten teil und nutzt das kulinarische Angebot. „Manchmal male ich hier einfach nur oder esse eine Pommes“, sagt sie.

Auch für Peter Leimbrock gehören die Angebote der Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentren fest zu seinem Alltag. Er besucht eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), und nach Feierabend geht es für ihn häufig ins KIZ Enger. „Ich spiele Karten oder esse etwas. Sonst sitze ich zu Hause nur rum. Das ist auch nichts“, sagt der Engeraner. 

Außerdem nimmt er regelmäßig an gemeinsamen Ausflügen für die Besucherinnen und Besucher aus Enger und Bünde teil. Zuletzt war er mit einer Gruppe auf der Nordseeinsel Baltrum. „Ich habe im Strandkorb gesessen und mir ein bisschen die Stadt angesehen“, erinnert sich der 61-Jährige gerne zurück.

Dass Teilhabe im KIZ nicht nur in der Freizeit stattfindet, zeigt Marco Herzog. Der 37-Jährige aus Bünde hat dort einen ausgelagerten Arbeitsplatz im Servicebereich. Er wird von den Wittekindshofer Werkstätten unterstützt und ist zugleich Teil des KIZ-Teams. „Ich versuche, den Gästen alles schmackhaft zu machen und bei Fragen zu helfen. Ich bin hier, damit sich die Leute wohlfühlen“, fasst er seine Aufgabe zusammen. 

Marco Herzog hilft dort, wo er gebraucht wird: in der Küche, beim Einräumen des Lagers, an der Theke oder als Mitspieler beim Kickern. „Mir macht die Arbeit Spaß, ich fühle mich im Team pudelwohl und lerne immer wieder neue Leute kennen.“

Meike Wenzel, stellvertretende Bereichsleiterin, ist seit 14 Jahren im KIZ tätig. „Hier ist jeder willkommen, egal, wie er ist, was er ist oder warum er so ist“, sagt sie. Die Idee hinter dem inklusiven Café sei es, einen Ort für Begegnung zu schaffen, an dem alle Menschen zusammenkommen, sich informieren oder einfach miteinander in Kontakt kommen können. „Wir bieten eine vielfältige Speisekarte mit erschwinglichen Preisen und haben immer wieder auch Vereine und Gruppen bei uns zu Gast. Besonders beliebt ist unser Angebot gemeinsam die Fußball-Bundesliga zu schauen.“ 

Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben seien in den vergangenen 15 Jahren für viele Menschen mit Beeinträchtigung selbstverständlicher geworden. Umso wichtiger sei die Netzwerkarbeit vor Ort. Der Wittekindshof ist Kooperationspartner des Vereins „Lebenswertes Bünde“ und organisiert gemeinsam mit anderen Trägern, etwa der Lebenshilfe Lübbecke und Bethel, inklusive Veranstaltungen wie die Disco „Bünde bebt“ und die Herzblattparty im KIZ. Auch den Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigung am 5. Mai gestaltet Meike Wenzel als Teil des Organisationsteams mit. „Gemeinsam stehen wir in diesem Netzwerk dafür ein, dass jede Stimme zählt und Barrieren abgebaut werden.“ 

Für Meike Wenzel ist die Arbeit im KIZ ein Dienst voller Nächstenliebe: „Menschen im Alltag ernst zu nehmen, ihnen Begegnungen zu ermöglichen und sie bei einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen – das ist unsere Arbeit. Und das macht diesen Ort hier so besonders.“

Das KIZ ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 17 bis 21 Uhr geöffnet, freitags von 15 bis 20 Uhr und samstags von 15 bis 21 Uhr. 

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