Arbeit

„Inklusion bedeutet echtes Mitmachen“Wittekindshofer Zentralküche zeigt auf LWL-Messe, wie inklusive Arbeit gelingt

Knapp 2.000 Mahlzeiten müssen täglich bis Punkt 12 Uhr fertig sein. Kein Spielraum für Verzögerungen, kein Raum für Übungsszenarien.

In der Zentralküche des Wittekindshofs in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen arbeiten 36 Menschen Hand in Hand, um Bewohner*innen der Stiftung und Schulen in einem Umkreis von 60 Kilometern mit frisch zubereiteten Gerichten zu versorgen.

Das Besondere: Fast die Hälfte des Teams sind Menschen mit Beeinträchtigung. Wie inklusive Arbeit unter hohem Produktionsdruck funktioniert, zeigen die Diakonischen Dienstleistungsbetriebe Wittekindshof gGmbH auf demnächst auf einer Messe.

Sina Römbke steht an der Schonkostausgabe und portioniert Gerichte für Allergiker*innen und Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen. Seit rund sieben Jahren arbeitet sie in der Zentralküche. 

„Ich wollte auf jeden Fall etwas im hauswirtschaftlichen Bereich machen“, erzählt sie. Zuvor war sie in der Küche einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung tätig, doch das reichte ihr nicht aus. Besonders schätzt sie das Miteinander im Team und die Möglichkeit, produktiv zu arbeiten.

An ihrer Seite steht Tanja Follack. Seit 2013 gehört sie zum Küchenteam. Ich fülle auf oder schweiße das Essen ein.“ Auch sie hat den Weg aus der Werkstatt über die Hauswirtschaft des Wittekindshofer Marthahauses in die Zentralküche gefunden. 

„Das war erst eine Umstellung, aber mittlerweile kriege ich das gut hin“, sagt sie und lächelt. Die beiden Frauen arbeiten eingespielt zusammen, jeder Handgriff sitzt. Denn wenn um 9 Uhr das vollständige Team im Einsatz ist, beginnt der Countdown bis zur Ausgabe. 

„Bei uns arbeiten 17 Menschen mit Beeinträchtigung täglich erfolgreich unter echtem Produktionsdruck zusammen“, sagt Stephan Miegel, Prokurist der Diakonischen Dienstleistungsbetriebe beim Wittekindshof. Als Geschäftsbereichsleiter für Betriebe und inklusive Dienstleistungen hat Stephan Miegel die Zentralküche als Küchenleiter aufgebaut und verantwortet heute neben der operativen Führung auch die wirtschaftliche Steuerung und die inklusive Ausrichtung der Betriebe.

Gleiche Rechte

Für ihn hat ein Inklusionsunternehmen zwei Kernaufgaben: die wirtschaftliche Tätigkeit am Markt und die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung in diesem Marktumfeld. „Entscheidend ist, dass unsere Beschäftigten nicht in prekären Verhältnissen arbeiten, sondern unter allgemeingültigen tariflichen Rahmenbedingungen angestellt sind“, betont Stephan Miegel. Das Inklusionsunternehmen schließe im besten Fall an die Qualifikation in der Werkstatt an und bereite über Praktika auf eine Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt vor.

Besonders wichtig ist Stephan Miegel dabei ein Gedanke: „Ich spreche bewusst nicht nur von Teilhabe, sondern von Mitmachen." Inklusion bedeute einen aktiven, gleichberechtigten Beitrag zum Arbeitsleben, der über das bloße Dabeisein hinausgehe. Dass die Zentralküche diese Herausforderung täglich meistert und der Betrieb auch wirtschaftlich funktioniert, erfüllt ihn mit besonderem Stolz.

Messe in Dortmund

Seine Arbeit stellt das Team am 11. März bei der-Messe der Inklusionsunternehmen in der Messe Dortmund vor. Die Messe des Landschaftsverbands Westfale-Lippe (LWL) findet bereits zum sechsten Mal statt und gilt als deutschlandweit einzigartige Plattform für Inklusionsbetriebe. 

Unter dem Motto „Inklusion entfaltet“ präsentieren sich zahlreiche Unternehmen, die zeigen, wie Arbeit verbindet und Potenziale sichtbar macht. Interessierte finden die Wittekindshofer Dienstleistungsbetriebe an Stand B15. 

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