Im KIZ Café SoLero herrscht Trubel, obwohl das Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) an der Herforder Straße in Bad Oeynhausen montags geschlossen ist. Der Anlass: ein besonderes Dinner.
Jan-Pascal Röding poliert konzentriert Gläser hinter der Theke, während Melanie Busch die lange Tafel eindeckt, an der später die Gäste Platz nehmen. In der KIZ-Küche wäscht Anke Eich Salat und Tomaten für ihre Vorspeise. „Wir haben heute ein Drei-Gänge-Menü geplant, um zu zeigen, was wir bei unserer Arbeit im KIZ gelernt haben“, sagt Jan-Pascal Röding. Er, Melanie Busch und Anke Eich arbeiten im Rahmen eines ausgelagerten Werkstatt-Arbeitsplatzes in den KIZ in Bad Oeynhausen und Vlotho mit dem Schwerpunkt Gastronomie. „Ich bediene die Gäste und bereite auch Speisen zu, am liebsten Salate“, sagt Melanie Busch.
Unterstützt werden sie vom KIZ-Team um Bereichsleiter Jeremy Lander und seinen Stellvertreter Benjamin Drake sowie vom Fachteam „Arbeit und Berufliche Integration“ (ABI) des Wittekindshofes. Die Begleitung reicht von der Einarbeitung bis zur kontinuierlichen Qualifizierung im Arbeitsalltag. „Wir bereiten die Mitarbeitenden mit Beeinträchtigung praxisnah auf die Anforderungen im Job vor und qualifizieren sie gezielt weiter“, erklärt Kerstin Waterbär vom ABI-Team.
Bereits im Frühjahr 2023 schlossen die drei den vom ABI-Bereich in Kooperation mit dem KIZ Café SoLero angebotenen Grundkurs „Hauswirtschaft, Service, Gastro“ erfolgreich ab. Professionelles Eindecken, Serviceabläufe und viele praktische Übungen bildeten die Basis. „Wir hatten uns als Team gedacht, dass wir das Gelernte mal ausprobieren wollen“, sagt Jan-Pascal Röding. „Die drei haben die komplette Menüplanung, Einladungen, Tischdekoration, Einkauf, Vor- und Zubereitung sowie den Service übernommen“, lobt Benjamin Drake. Der gelernte Koch steht den Gastgeberinnen und dem Gastgeber mit Rat und Tat zur Seite.
Geübt wurde im Vorfeld mehrfach. „Ich habe das Rezept schon mal ausprobiert. Und es hat allen super geschmeckt“, verrät Anke Eich. Sie verantwortet die Vorspeise: Wrap-Röllchen mit Salaten der Saison und Tomate-Mozzarella-Spießen. Für den Hauptgang ist Melanie Busch zuständig: Schweineschnitzel mit Pfifferlingsrahmsauce und Semmelknödel im Glas. Als vegetarische Alternative gibt es Kohlrabi-Schnitzel. „Das fällt mir nicht schwer, ich koche auch viel zu Hause“, sagt sie.
„Ich habe hier im KIZ sehr viel gelernt: Dinge anders zu kochen, neue Zutaten zu nutzen“, berichtet Jan-Pascal Röding. Er hat eine Fachpraktikerausbildung als Beikoch am Bildungswerk des Wittekindshofes absolviert und übernimmt das Dessert. „Bei der Nachspeise kann man sich richtig ausleben.“ Gemeinsam mit Kerstin Waterbär hat er den „Zwetschgentraum“ mit Mascarponecreme und karamellisierten Haselnuss-Splittern verfeinert.
„Wir stehen den Mitarbeitenden auf ihren ausgelagerten Arbeitsplätzen zur Seite, ob bei Arbeitssicherheit, Schulungen oder beim Ausprobieren neuer Rezepte“, sagt Kerstin Waterbär. Das Dinner-Projekt zeigt, wie ausgelagerte Arbeitsplätze berufliche Teilhabe ermöglichen und persönliche Entwicklung fördern.
Am Ende sind alle Gäste satt und zufrieden. Die Gastgeberinnen und der Gastgeber sind es auch. „Ich war sehr aufgeregt, aber es hat alles geklappt und Spaß gemacht“, resümiert Anke Eich. Jan-Pascal Röding ergänzt: „Wir haben das als Team gut hinbekommen. Es war ein interessantes Projekt, und man lernt immer noch Neues.“