Wohnen & Assistenz

„Keine Sekunde bereut“Vor 14 Jahren haben Christiane und Volker Schneider Maurice in ihrer Familie aufgenommen

„Das ist unser Kind!“, dachte Christiane Schneider sofort, als sie vor 14 Jahren ein Foto von Maurice sah. Dass es auch für ihren Mann Volker „Liebe auf den ersten Blick“ ist, bestätigte sich beim ersten Treffen mit dem damals Dreieinhalbjährigen. Der Eindruck hat Bestand. Auch viele Jahre später bereut das Ehepaar aus Löhne-Gohfeld nicht eine Sekunde, Maurice als Pflegekind aufgenommen zu haben. Aus dem Kleinkind ist ein fröhlicher, aufgeschlossener junger Mann geworden, der „so manches Herz brechen kann“, wie Pflegevater Volker Schneider sagt. 

„Eigentlich wollten wir immer drei Kinder haben“, erinnert sich der selbstständige Masseur. Und als die beiden leiblichen Söhne aus dem Haus waren, kam der Gedanke auf, ein Pflegekind aufzunehmen. Schneiders nahmen Kontakt zum Löhner Jugendamt auf. Dann ging alles recht schnell. „Als der Anruf kam, dass Maurice eine Pflegefamilie sucht, dachte ich spontan ‚Ja! Machen wir. Hoffentlich will meine Frau das auch‘“, erinnert sich der heute 64-Jährige. „Ich wollte“, bestätigt Christiane Schneider. Auch, als das Thema einer Beeinträchtigung aufkam. „Darüber hatten wir uns bis zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken gemacht, es aber nicht ausgeschlossen.“

Zweifel verschwinden schnell

Aus ihrem Umfeld kamen allerdings Gegenstimmen, die Sorgen und Ängste schürten. Doch Schneiders ließen sich nicht beirren, sprachen mit Menschen, die der Familienerweiterung positiv gegenüberstanden und dem Team des Wittekindshofs, das die damals angehende Pflegefamilie auch heute noch intensiv begleitet. Spätestens beim ersten Treffen waren dann alle Zweifel Vergangenheit. „Maurice hat uns so angestrahlt, kam auf uns zugelaufen – das war wirklich Liebe auf den ersten Blick“, sagt Christiane Schneider und blickt liebevoll zu Maurice. 

„Als Maurice zu uns kam, konnte er kaum laufen, ist viel gefallen, konnte nur ‚hui‘ sagen. Aber er war interessiert, hat sich alles angeschaut und jeden Schalter im Haus betätigt“, erinnert sich der Pflegevater mit einem Schmunzeln im Gesicht. Er möchte nicht verschweigen, dass zur Realität der Familie von da an auch zahlreiche Termine bei Ärzten und Therapeuten gehörten. Anträge schreiben, Kommunikation mit Behörden und Leistungsträgern. „Doch wir haben uns immer sehr gut vom Team des Wittekindshofs unterstützt gefühlt. Wir können anrufen, Mails schreiben, uns mit Fragen zu jeder Zeit an das Team oder in unserem Fall Anja Weichert wenden. Sie hat uns auch Infos zu Entlastungsangeboten gegeben. Man steht nicht allein da.“

Tolle Entwicklung

Maurice hat sich im Laufe der Jahre toll entwickelt. Heute ist der 17-Jährige nicht nur zu Fuß gut unterwegs, er macht auch die Gegen mit seinem Therapie-Fahrrad unsicher, fährt selbstständig zum Einkaufen oder zum Friseur, spricht besser, ist selbstbewusster geworden und besteht auf seine Selbstständigkeit, die Schneiders stets unterstützen. 

Maurice hilft gerne im Garten und mäht den Rasen. Aber seine große Leidenschaft gilt dem Kochen und Backen. Diese Passion ist so groß, dass Maurice im regelmäßigen Ski-Urlaub mit der Familie in Österreich darauf besteht, im Service der Pension mitzuhelfen, in der sie wohnen. „Er räumt dann die Tische ab, gießt Kaffee ein, hat das Frühstücksbüffet im Blick. Er ist gerade zu genervt, wenn wir dann zum Ski-Kurs müssen“, sagt Pflegemutter Christiane Schneider. 

Sie und ihr Mann wünschen sich, dass Maurice in Zukunft auch in diesem Bereich arbeiten kann, etwas macht, was ihm Spaß macht. Nach dem Sommer beginnt sein Abschlussjahr an der Schule am Weserbogen in Bad Oeynhausen. Bereits jetzt stehen erste Praktika in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in Kirchlengern an. Und dann wird Maurice im kommenden Jahr volljährig und startet langsam ins Erwachsenenleben. Auch dabei werden ihm seine Pflegeeltern zur Seite stehen. „Maurice ist fester Bestandteil unserer Familie. Wir haben es keine Sekunde bereut, ihn aufgenommen zu haben.“

Weitere Pflegefamilien gesucht

Der Wittekindshof sucht Familien, Paare oder Einzelpersonen, die bereit sind, Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung in ihre Mitte aufzunehmen. Häufig können diese Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, da diese selbst eine Behinderung oder psychische Beeinträchtigung haben. Gesucht werden Menschen mit Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen oder einer pädagogischen oder pflegerischen Ausbildung.

Das Team des Wittekindshofs unterstützt Pflegefamilien umfassend – von der Eingewöhnung bis hin zu Fragen im Alltag, etwa zu Anträgen, Therapien oder familiären Herausforderungen. Ziel ist, den Kindern in einem familiären Umfeld Entwicklungschancen, Geborgenheit und Zuwendung zu geben.

Interessierte sind eingeladen zu Info-Abende, jeweils um 18 Uhr: 

  • am 4. September im Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) Bünde, Bahnhofstraße 63,
  • am 16. September im KIZ Café Klee Minden, Königstraße 31,
  • am 24. September im KIZ Café SoLero Vlotho, Lange Straße 94,
  • und am 26. September im KIZ Café SoLero Bad Oeynhausen, Herforder Straße 40. 

Um Anmeldung bis einen Tag vorher wird gebeten. Weitere Informationen unter (05731) 305 90 72 oder per E-Mail an wpf(at)wittekindshof.de. Weitere Informationen gibt es auch online unter www.wittekindshof.de/wpf.