Landschaftsverband ermöglicht Wittekindshofer Projekt Selbständig Wohnen

Kreis Minden-Lübbecke (AM). Der Wittekindshof hat sich am Ideenwettbewerb „Selbstständiges Wohnen“ (SeWo) des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beteiligt und wurde als eines von 15 Wohnprojekten mit Modellcharakter in ganz Westfalen auegewählt. Geplant ist ein Neubau mit zwölf bis 15 Einzelappartements: „Noch suchen wir einen Bauplatz am liebsten in Lübbecke alternativ in einer der Nachbarkommunen im Kreis Minden-Lübbecke. Wir planen eine barrierefreie und rollstuhlgerechte Hauswohngemeinschaft, um ein Wohnumfeld zu schaffen, das viel Selbständigkeit und ein hohes Maß an Unterstützung ermöglicht, aber auch aktiv in das Leben der Stadt eingebunden ist. Als SeWo-Projekt kann eine besondere technische Ausstattung zu ermöglichen werden wie etwa modernste Haustechnik, computerunterstützte virtuelle Lernfelder, oder auch besondere Hilfsmittel, um behinderungsbedingte Barrieren zu überwinden“, erklärt Diakon Burkhard Hielscher, der für die Wittekindshofer Wohnangebote im Altkreis Lübbecke verantwortlich ist.

Die Hauswohngemeinschaft soll ein Anschlussangebot sein für die spezialisierte Wohngruppe für Menschen mit Behinderung und Adipositas in Lübbecke und für die spezialisierten Wohngruppen für Menschen mit dem seltenen Prader-Willi-Syndrom, das mit einer leichten geistigen Behinderung, angeborener Esssucht und herausforderndem Verhalten verbunden ist.

Selbständig Wohnen auch mit viel Unterstützung

Zu den Bewohnern dieser spezialisierten Wohnangebote gehört ein 57-Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er erklärte: „Ich bin ein ganz neuer Mensch geworden. Ich habe 45 Kilo abgenommen. Mir geht es körperlich und psychisch viel besser. Alleine hätte ich das nicht geschafft“, erklärte der Ostwestfale kurz vor seinem Auszug aus der spezialisierten Wittekindshofer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung und Adipositas in Lübbecke. Von Anfang an war klar, dass er das Wohnangebot wie alle anderen nur für maximal 18 Monate nutzen kann. Er ist froh, dass er eine bezahlbare Wohnung in der Nachbarschaft gefunden hat und berichtete: „Es war schwer mit dem hohen Gewicht in Bewegung zu kommen. Jetzt ist es wichtig, dass ich das, was wir hier erarbeitet haben, auch alleine fortsetzen kann. Deswegen will ich noch nicht so weit weg.“ In seiner neuen Wohnung wird er weiterhin durch das Wittekindshofer Team vom Ambulant Unterstützten Wohnen begleitet, das mit dem Adipositas-Konzept gut vertraut ist und bei Bedarf auch wieder stärker unterstützten könnte. Außerdem kann der 57-Jährige weiterhin an der Selbsthilfegruppe „Leichter Leben“ teilnehmen, die sich jede Woche im Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrum, KIZ, in Lübbecke  trifft.

Den begonnenen Weg fortsetzen

Auch seine Mitbewohnerin Ann-Kathrin Görbing hat sich bereits entschieden, dass sie in einem halben Jahr auch zunächst noch in Lübbecke bleiben wird, auch wenn sie eigentlich lieber zu ihrer Familie nach Hamburg möchte: „Ich brauche Menschen, die Hand in Hand arbeiten und alle das gleiche Ziel verfolgen. In der alten Einrichtung wusste ich genau, welche Mitarbeiter ich fragen musste, um doch noch einen Dörner zu essen. Das ist zwar lecker, aber hilft mir nicht. Hier habe ich gelernt, bis zum Abendessen zu warten und nicht einfach zweimal zu essen“, berichtet die 25-Jährige, die schon sehr viel abgenommen hat, aber auch weiter abnehmen möchte. „Früher konnte ich kaum noch mit meiner kleinen Schwester auf dem Boden sitzen und spielen. Als ich sie an Ostern besucht habe, ging das schon viel besser. Ich habe sogar Fußball mit der Kleinen gespielt, das wäre früher unmöglich gewesen“, berichtete Görbing.

Noch bleiben ihr einige Monate Zeit in der spezialisierten Wohngruppe, in der Ernährungskunde, Bewegung und individuelle Reflexionsgespräche zum Alltag gehören. „Mir ist es wichtig, dass ich viel mit den Mitarbeitern reden und dabei etwas für mich lernen kann und nicht nur Regeln wie bei einer Diät befolgen muss. Ich will später selbständig mit Essen und Getränken so umgehen können, wie wir es hier lernen“, erklärte Görbing.

Diakonische Stiftung Wittekindshof
Der Wittekindshof wurde 1887 im heutigen Bad Oeynhausen gegründet und unterstützt heute an über 100 Standorten in 16 Städten in Nordrhein-Westfalen mit über 3.300 Mitarbeitenden vor allem Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung. Um den individuellen Bedürfnisse gerecht zu werden, steht eine große Auswahl an Wohn-, Bildungs-, Arbeits- und Freizeitangeboten, aber auch medizinische, pflegerische und therapeutische Angebote zur Verfügung,. Dazu gehören auch spezialisierte Angebote beispielsweise für beatmungspflichtige Personen, Menschen mit geistiger Behinderung und zusätzlicher Suchterkrankung, Adipositas, Traumafolgestörungen oder stark herausforderndem Verhalten.

Weitere Informationen enthält die <link http: www.lwl.org pressemitteilungen external-link-new-window>Pressemtteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).