Wohnen & Assistenz

Mitten im Leben angekommenWittekindshof feiert 20 Jahre Haus Werre – Kooperation mit Bertolt-Brecht-Gesamtschule besteht seit der ersten Stunde

Seit es das Haus Werre in Löhne gibt, gibt es auch die Kooperation mit der Bertolt-Brecht-Gesamtschule. Vor 20 Jahren eröffnete die Diakonische Stiftung Wittekindshof das Wohnhaus für Menschen mit Beeinträchtigung an der Werrestraße und von Beginn an kamen Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule regelmäßig zu Besuch. Aus dem Projekt ist eine Partnerschaft geworden, die bis heute Bestand hat.

Anstoß für den Berufsweg

Schülerinnen ab Jahrgangsstufe 11 können freiwillig an dem Projekt teilnehmen. Sie begleiten die Tagesstrukturierenden Angebote, unternehmen Ausflüge mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, gehen wandern oder verbringen einen Bowlingabend miteinander. Ein- bis zweimal im Monat gibt es solche gemeinsamen Aktionen mit den 24 Männern und Frauen, die im Haus Werre leben. Beim Sommerfest zum 20-jährigen Bestehen des Wohnhauses waren Schulleiter Matthias Buske, Oberstufenkoordinator Axel David Heilmann und ehemalige Schülerinnen dabei. 

Einige halten bis heute Kontakt zum Haus Werre und schauen regelmäßig vorbei. Für manche wurde die Zusammenarbeit sogar zum Anstoß für ihren späteren Berufsweg. Eine ehemalige Schülerin studiert heute Sozialpädagogik. Dass aus der Kooperation echte Beziehungen entstanden sind, zeigte sich auch beim Sommerfest. „Die Schülerinnen und Schüler waren fürs Fest gar nicht als Hilfe eingeplant. Sie haben von sich aus die Initiative ergriffen und mitangepackt. Diese Selbstverständlichkeit und die damit ausgedrückte Verbundenheit hat uns sehr berührt und gefreut", sagt Diakon Felix Lehra, zuständiger Geschäftsbereichsleiter beim Wittekindshof.

Das Haus Werre wurde vor 20 Jahren als Ersatzbau für zwei alte Wohnhäuser an der Ulenburg errichtet. Seitdem hat sich vieles verändert. Viele, die damals einzogen, waren noch sehr selbstständig. Heute sind sie älter und benötigen mehr Unterstützung. Manche leben mittlerweile in ihrer eigenen Wohnung und werden ambulant begleitet. Aber auch jüngere sind eingezogen. „Hier ist Inklusion absolut geglückt“, sagt Felix Lehra. „Mittlerweile sind wir in Löhne tief verwurzelt und die Bewohnerinnen und Bewohner sind Teil der Gesellschaft geworden. Sie sind in der Stadt unterwegs, kaufen ein, besuchen selbstständig Veranstaltungen und treffen Menschen aus der Nachbarschaft. Es ist schön zu sehen, dass auch mal im Supermarkt auffällt, wenn jemand länger nicht da war, und die Mitarbeitenden sich erkundigen.“

Eng mit der Stadt verbunden

Wie eng das Haus Werre und die dazu gehörenden Tagesstrukturierenden Angebote (TSA) mit der Stadt Löhne verbunden sind, zeigte sich auch beim Sommerfest. Bürgermeister Christian Antl und Superintendentin Dorothea Goudefroy vom Kirchenkreis Vlotho gehörten zu den Gästen. Ebenso waren Vertreter der Ruth und Willi Biermann Stiftung sowie der Seniorenstiftung Wilhelm E-Sander, gekommen. Die beiden Stiftungen hatten gemeinsam mit anderen Unterstützerinnen und Unterstützer durch großzügige Förderungen die Anschaffung eines Golfmobils ermöglicht, für das die Tagesstrukturierenden Angebote gesammelt hatten. Auch der Kirchenkreis hatte sich mit einer Kollekte beteiligt. 

Das Golfmobil ermöglicht eine höhere Mobilität für die Männer und Frauen der Tagesstrukturierenden Angebote sowie der Bewohnerinnen und Bewohner des Haus Werre. Klaus Rieke, Hans-Werner Lück und Michael Stroop als Vertreter der beiden Stiftungen unternahmen persönlich eine kleine Spritztour mit dem Gefährt, auch Superintendentin Goudefroy ließ es sich nicht nehmen, eine Runde zu drehen. Das Musikkorps Löhne sorgte für die musikalische Unterhaltung. Eine Fotobox mit Hüten, Perücken und Brillen, an dem sich die Gäste ablichten lassen konnten, wurde munter genutzt, ebenso die Button-Bastelstation, die das Festprogramm ergänzte.