MZEB für Erwachsene mit Behinderung

Spezialisierte medizinische Versorgung für Erwachsene mit Behinderung hat lange gefehlt. Der Gesetzgeber hat 2015 die Grundlagen für die Medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) geschaffen. Das MZEB bietet multiprofessionelle Diagnostik und Therapie. Die Mitarbeitenden haben viel Erfahrung mit seltenen Behinderungen, Wechselwirkungen zwischen akuten Erkrankungen und Behinderung sowie mit entwicklungsorientierter Diagnostik, die bei psychischen Erkrankungen besonders wichtig ist.

Multiprofessionell und mehr Zeit für Gespräche und Beziehungsaufbau

Bereits das Aufnahmegespräch wird interdisziplinär, meistens von einem Arzt und einer Psychologin geführt. Auch später arbeiten Ärzte, Therapeuten, Psychologen, Pflegekräfte und Heilpädagogen Hand in Hand und ziehen bei Bedarf weitere Experten beispielsweise für Unterstützte Kommunikation aus dem Büro für Leichte Sprache hinzu. Grundsätzlich steht mehr Zeit als bei Haus- und Fachärzten zur Verfügung. Angehörige und vertraute Bezugspersonen werden einbezogen. Hausbesuche oder Beratung am Arbeitsplatz sind möglich.

MZEB erstellt Behandlungsplan für wohnortnahe Versorgung

Das MZEB-Team erstellt einen Behandlungsplan, der langfristig am Wohnort durch niedergelassene Ärzte, Therapeuten, Psychologen und Heilpädagogen umgesetzt werden soll. Dazu gehört eine optimale medikamentöse Einstellung ebenso wie angemessen Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln. Damit ergänzt das MZEB die Versorgung durch Haus- und Fachärzte, die die Überweisung ausstellen können, wenn sie an ihre Grenzen kommen.

Behandelt werden im MZEB Frauen und Männer ab 18 Jahren mit geistiger, körperlicher oder mehrfacher Behinderung, verschiedenen Formen von Autismus oder mit fetalem Alkoholsyndrom, das durch Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft verursacht wird. In Nordrhein-Westfalen sollen 14 MZEBs entstehen. Das MZEB Wittekindshof war 2016 bundesweit eines der ersten MZEBs das eine Ermächtigung vom Zulassungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen erhalten hat. Das zweite MZEB in Ostwestfalen entsteht in Bielefeld.