Selbst Alpakas, die eigentlich aus dem südamerikanischen Peru stammen, wird es bei den anhaltend heißen Temperaturen hier in Deutschland schon mal zu warm. Wie gut, dass Hermann Stelzriede weiß, was den Tieren gut tut. Der Senior, der im Wittekindshofer Wohnhaus Haus Weihe in Löhne lebt und dort die Tagesstrukturierenden Angebote (TSA) besucht, gönnt den drei dort lebenden Alpakas eine kühle Dusche mit dem Wasserschlauch.
Kalte Dusche ist ein Genuss
Dem elf Monate alten Alpakahengst Calippo kommt die Abkühlung bei 30 Grad Celsius zwar gelegen, doch noch guckt er etwas skeptisch. Ganz im Gegensatz zu dem dreijährigen Hengst August. Das weiße Alpakamännchen genießt die Erfrischung sichtlich. Er streckt seinen Hals durch und dreht sich im Wasserstrahl, beinahe genüsslich schließt er dabei die Augen. Hermann Stelzriede freut sich wie ein Schneekönig und richtet den sanften Wasserstrahl auf den Rücken des Tieres. "Es ist heiß", sagt der Senior ganz wissentlich, dass er den Tieren einen großen Gefallen tut.
Alpakas sind fester Bestandteil der Arbeit
Alpaka August und sein Mitbewohner Chico (acht Jahre alt) wohnen seit vielen Jahren in einem Gehege an der Weihestraße. Der kleine Calippo ist noch neu und gewöhnt sich gerade ein. "Die Tiere sind wahre Eisbrecher", berichtet Markus Schütte, Mitarbeiter in den TSA. Nicht nur, dass Menschen mit Behinderung, die (noch) nicht oder nicht mehr arbeiten, eine verantwortungsvolle Aufgabe haben – sie versorgen und pflegen die drei Tiere, soweit es ihnen möglich ist – auch Menschen aus der Umgebung kommen extra an die Weihestraße um die zutraulichen Tiere zu besuchen und zu füttern. "So kommen auch unsere Klienten mit den Besuchern in Kontakt. Diese lernen unsere Arbeit kennen, Barrieren werden abgebaut", freut sich Schütte. Weiterhin im Vordergrund steht aber die sinnvolle Beschäftigung der Senioren der TSA. "Viele unserer Klienten haben ländlich auf Bauernhöfen gelebt und kennen die Arbeit mit Tieren von früher", sagt Schütte.
Kleine Einnahmequelle
Neben den drei Alpakas leben auch zehn Hühner dort. Auch diese werden von den Menschen, die die Wohnangebote an der Weihestraße nutzen, versorgt. Menschen aus der Nachbarschaft und der näheren Umgebung kommen, um in der TSA frische Eier zu kaufen. Mittlerweile werden dort auch Futterbeutel mit Alpaka-Snacks gestaltet und für einen kleinen Obolus verkauft. Die Papiertüten werden mit einer Wachs-Rubbel-Technik mit Alpakamotiven verziert. "Das Geld nutzen wir, um die Kosten für die Futtertüte zu decken. Alles, was übrig bleibt, sparen wir an, um etwas Neues für unsere Gruppe zu kaufen", erklärt Markus Schütte. Weitere Einnahmen für Anschaffungen werden etwa durch den Verkauf von Marmeladen und Likören unter dem Namen Wittekindshofer Naturgruppe erwirtschaftet. Die Naturgruppe steht zum Beispiel jedes Jahr auf dem Gartenflohmarkt am Heimatmuseum und auf dem Weihnachtsmarkt. Durch die Einnahmen und weitere Spenden konnten etwa das Alpakagehege erweitert werden und ein Kamin für das Fachwerkhaus, in dem die TSA stattfinden, angeschafft werden.
Alpakas besuchen und füttern
Wer Lust hat, die drei Alpakas kennenzulernen, ist immer willkommen an den Wittekindshofer Wohnhäusern an der Weihestraße. Und das Futter, um die Tiere anzulocken, steht schon bereit.