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„Niemals richtig gut“Julia Salbert schreibt über Depressionen, Trauma und den Weg zu mehr Selbstsicherheit

Julia Salbert aus Hamm hat ihr erstes Buch veröffentlicht. In „Niemals richtig gut“ erzählt die 52-Jährige von Depressionen, traumatischen Erfahrungen und ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung. Seit einigen Jahren wird sie von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof unterstützt. Die Begleitung gibt ihr Rückhalt und hilft ihr, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Julia Salbert

In meiner Kindheit habe ich mich nie gut genug gefühlt, dass ich es niemandem recht machen konnte

Julia Salbert hat ein Buch über ihr Leben geschrieben. In „Niemals gut genug“ erzählt die Hammerin über ihr Leben mit Depressionen.

„In meiner Kindheit habe ich mich nie gut genug gefühlt, dass ich es niemandem recht machen konnte, und durch meine Depressionen und Traumata ging es mir auch nie richtig gut“, sagt die 52-Jährige über den Titel ihres Buches. 

Fast ein Jahr arbeitete sie an ihrer Autobiografie. Darin spricht sie offen über ihr Leben, ihre Erkrankung und die Folgen von Missbrauch mit denen sie seit vielen Jahrzehnten lebt. Besonders wichtig ist ihr, dass die Perspektive der Betroffenen in der Gesellschaft sichtbarer wird: „Es wird mir zu oft nur über die Fälle oder die Täter von Missbrauch gesprochen, aber nicht genug über die Überlebenden und was dieser Missbrauch mit ihnen gemacht hat. Das Wort ‚Opfer‘ mag ich nicht, es passt nicht. Wir sind Überlebende.“

Umgang mit Panikattacken

Eine wichtige Ansprechperson auf ihrem Weg ist Sebastian Beitz. Der ausgebildete Heilerziehungspfleger ist Teil des ambulanten Teams vom Wittekindshof in Hamm. Zu seiner Arbeit gehört es, Julia Salbert im Alltag zu bestärken und in Reflexionsgesprächen gemeinsam mit ihr Situationen und Gefühle zu betrachten. Denn es fällt ihr schwer, ihre Gefühle zu deuten. „Ich konnte lange auch gar nicht richtig fühlen“, erinnert sich die Hammerin. Erst durch die Psychotherapie und die passende Begleitung habe sie einen Zugang zu ihren Gefühlen gefunden. Auch heute gehe es immer wieder darum, wahrzunehmen, was in ihr vorgeht, und diese Empfindungen besser einzuordnen.

Gemeinsam achten Julia Salbert und Sebastian Beitz außerdem auf Anzeichen, die auf eine mögliche Panikattacke hindeuten können. Sie besprechen, wie sie in solchen Situationen damit umgehen kann. „Die Angst vor einer nahenden Panikattacke oder eine depressive Phase ist für viele Betroffene das schlimmste. Sie wissen, dass diese Zustände erneut auftreten können, und fürchten, was dann auf sie zukommt. Manchmal sind sie so stark belastet, dass sie nicht mehr aufstehen können“, erklärt Sebastian Beitz. 

Gemeinsam suchen die beiden nach Wegen, wie Julia Salbert mehr Lebensqualität gewinnen kann. Dazu gehören beispielsweise Konzertbesuche oder Kurztrips. „Das war für mich vor ein paar Jahren noch unvorstellbar. Aber letztens habe ich mich überwunden, bin in den Zug gestiegen und für ein paar Stunden an die Nordsee gefahren“, erzählt sie stolz.

Sebastian Beitz

Das fertige Buch nun in den Händen zu halten, hat Julias Selbstwertgefühl noch mehr gestärkt.

Den Gedanken, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben, hatte Julia Salbert schon eine Weile. Lange fehlte ihr jedoch der Mut, diese Idee auch in die Tat umzusetzen. Gespräche mit Sebastian Beitz und ihrem Umfeld halfen ihr dabei, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und den Schritt zu wagen. „Als ich es dann versucht habe, habe ich schon am ersten Abend zwei Kapitel fertig geschrieben.“

Die Arbeit an dem Buch half ihr, die eigenen Fortschritte wahrzunehmen. „Ich wollte mir klarmachen, was ich eigentlich in den vergangenen Jahren geschafft habe. Es tut mir auch total gut, wenn ich darüber reden kann.“ Der Schreibprozess war für sie allerdings nicht immer leicht. Wenn Erinnerungen zu belastend wurden, machte Julia Salbert regelmäßig Pausen. „Das kann ein schmaler Grat zwischen Therapie und Retraumatisierung sein“, erklärt Sebastian Beitz, der den Schreibprozess deshalb eng begleitete. Für ihn steht fest: „Das fertige Buch nun in den Händen zu halten, hat Julias Selbstwertgefühl noch mehr gestärkt.“

Anderen Betroffenen helfen

Mit ihrem Werk möchte Julia Salbert informieren und helfen. „Ich will anderen Betroffenen Mut machen und über Depressionen aufklären“, sagt sie. Am Ende des Buches finden Leserinnen und Leser deshalb Telefonnummern und Anlaufstellen, an die sie sich wenden können, wenn sie Unterstützung suchen. Auch persönlich gibt die Autorin ihr Wissen inzwischen weiter. Am LWL-Berufskolleg Hamm sprach sie im Rahmen eines Vortrags mit angehenden Fachkräften über ihre Erkrankung und beantwortete Fragen. „Das fand ich toll und wichtig. Damit mehr Leute verstehen, was in Menschen mit Depressionen vorgeht.“ Außerdem ist sie Mitglied in der Gesellschaft für psychische Gesundheit und engagiert sich dort etwa als Ansprechperson bei Infoständen.

Heute passe der Titel ihres Buches eigentlich gar nicht mehr zu ihr, sagt Julia Salbert. „Ich bin schon so weit gekommen. Es wird wahrscheinlich niemals hundertprozentig perfekt sein, aber das muss es auch gar nicht sein. Vieles in meinem Leben ist heute richtig gut, manches wird immer besser. Rückschläge gehören dazu, aber ich bin gut genug.“ Sie wisse, wer sie unterstützt und an wen sie sich wenden könne, wenn sie Hilfe brauche.

„Niemals richtig gut“ ist am 11. August 2026 als Paperback im Verlag BoD erschienen. Das Buch umfasst 184 Seiten und ist bei Amazon sowie im BoD-Buchshop erhältlich. Die ISBN-13 lautet: 9783696744311. Auch eine Ebook-Version ist geplant.