Rückblick: 60 Jahre Wittekindshof Gronau

Platzmangel und neue Wohnangebote

In der Nachkriegszeit haben im ganzen Land Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung gefehlt. In Gronau stand das Annaheim leer. Die Textilindustrie brauchte das Wohnheim für ihre Textilarbeiterinnen nicht mehr. Ideen, das Annaheim in ein evangelisches Gemeindezentrum umzuwandeln, scheiterten an der Größe des Komplexes. Aber die evangelische Kirchengemeinde Gronau war von Anfang an, Wegbereiter und guter Begleiter für den Wittekindshof in Gronau.

Der Landschaftsverband aus Münster hat den Wittekindshof am 8. März 1956 auf Annaheim aufmerksam gemacht und den Kauf gefördert. Bereits im September 1956 konnten nach Um-bauarbeiten die ersten Mädchen und Frauen mit Behinderung aus dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen in das Annaheim umziehen. Die Betreuung übernahmen Diakonissen aus Münster. In der Kapelle des Annaheims hat der Pfarrbezirk Stadtwesten ihren Sonntagsgottesdienst gefeiert, bis die Erlöserkirche fertig war.
In den nächsten Jahren kaufte der Wittekindshof in der Nähe ein weiteres Wohnheim der Textilindustrie, ein Mehrfamilienhaus und ein Einfamilienhaus sowie eine ehemalige Gaststätte, um auch für Jungen und Männer mit Behinderung in Gronau Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Mit den ersten männlichen Bewohnern kamen auch Mitarbeitende aus Bad Oeynhausen nach Gronau.

Mehr als Wohnen

Die Wittekindshofer Arbeit wuchs quantitativ und  die Angebotspalette verbreiterte sich. Auf Anregung und mit Unterstützung der Kreisvereinigung Ahaus der Lebenshilfe sowie mit Förderung der Stadt Gronau, der Gemeinde Epe und des Kreises Ahaus eröffnete der Wittekindshof 1968 eine Tagesbildungsstätte für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde eine Anlernwerkstatt in der ehemaligen Schule in Alstätte-Brook eingerichtet.

1973 wurde für die Tagesbildungsstätte ein Neubau errichtet. Um Arbeitsplätze für die Frauen und Männer zu schaffen, die in den Wittekindshofer Wohnheimen lebten, aber auch für Menschen mit Behinderung, die bei ihren Familien wohnten, wurde 1975 die Werkstatt errichtet. Aus der Tagessförderstätte hat sich eine Sonderschule, die heutige Johannesschule, ein Heilpädagogische Kindergarten in Alstätte und die Frühförderung entwickelt. Sie ist 1988 in das alte Kreishaus in Ahaus umgezogen und wendet sich bis heute ausgehend vom Familienzentren Scheelenkamp in Ahaus an Familien mit behinderten Kindern oder Mädchen und Jungen mit Entwicklungsverzögerungen im gesamten Nordkreis.

In den 90er Jahren wird das Annaheim saniert. In vier Neubauten entstehen Einzel- und Doppelzimmr für 188 Personen. Damit wurden in Gronau die großen Schlafsäle abgeschafft und Standards für die Gesamtstiftung gelegt.

Förderung der Inklusion

1999 entsteht das erste dezentrale Wohnnagebot in einem Wohngebiet. Später kommt das Ambulant Unterstützte Wohnen in Gronau, Ahaus und Umgebung hinzu, so dass immer mehr Menschen mit Behinderung in der eigenen Wohnung in unmittelbarer Nachbarschaft zu Menschen ohne Behinderung wohnen. Als Treffpunkt wird 2005 das erste Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrum eröffnet, das 2014 um ein Café erweitert wird und an den Kurt-Schumacher Platz umzieht. Zur Förderung der Inklusion, dem selbstverständlichen Zusammenleben ganz unterschiedlicher Menschen, wird der heilpädagogische Kindergarten zu drei Familienzentren mit Kindertagesstätten für Mädchen und Jungen mit und ohne besonderen Förderbedarf weiterentwickelt. Das Gronauer Familienzentrum wird auf dem Grundstück der mittlerweile abgerissenen Erlöserkirche gebaut.

Heute: Der Wittekindshof Gronau im Kreis Borken

Heute bietet der Wittekindshof Gronau Wohnmöglichkeiten für rund 260 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Ambulant unterstützt der Wittekindshof rund 120 Frauen und Männer, die in der eigenen Wohnung in Gronau, Ahaus und Umgebung oder in einer Gastfamilie leben. Insgesamt nutzen über 550 Kinder aus dem Nordkreis Borken die Frühförderung, die Kindertagesstätten in den drei Familienzentren und den Familienunterstützenden Dienst oder besuchen die Johannesschule. Die Wittekindshofer Werkstätten bieten Berufsbildung und Arbeitsplätze für rund 290 Frauen und Männer mit Behinderung oder psychischer Erkrankung aus Gronau und Epe.

Mehr über das 60-jährige Bestehen des Wittekindshofes in Gronau lesen Sie in der Pressemitteilung.