Blick zurück

Sechs Leben, sechs SchicksaleAls jüdische Bewohnerinnen und Bewohner des Wittekindshofes Opfer der NS-‚Euthanasie‘ wurden

Der Wittekindshof war während des Nationalsozialismus in den 1930er und 1940er Jahren auch ein Zufluchtsort für jüdische Menschen, deren Familien sie angesichts zunehmender Ausgrenzung und Verfolgung dort in Sicherheit glaubten. Das NS-„Euthanasie"-Programm machte aber auch vor dem Wittekindshof keine Ausnahme. Im September 1940 erhielt die Stiftung die Aufforderung, sechs jüdische Bewohnerinnen und Bewohner nach Wunstorf zu überführen. Angeblich, um sie einer jüdischen Einrichtung zuzuführen. Ein Name wurde nicht genannt. 

Sechs Tage später, am 27. September 1940, wurden Samuel, genannt Siegfried, Bloch, Alice Bukofzer, Sabine Heilpern, Felix Kanner, Wolfgang Leyser und Karl Silberberg in der Gaskammer der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel ermordet. Sie waren Opfer einer doppelten Verfolgung: als jüdische Menschen und als Menschen mit Beeinträchtigung. 

Die Angehörigen erhielten, wenn überhaupt, erst viele Monate später die Todesnachricht. Sowohl das Sterbedatum als auch der Sterbeort waren fiktiv. 

Gedenken an Opfer

Anlässlich des 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, stellt die Stiftung die Biografien dieser sechs Menschen vor. Sie sind anhand von Patientenakten und Krankenblättern aus dem Archiv des Wittekindshofes sowie durch Recherchen, insbesondere in der Datenbank der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, rekonstruiert worden. Ziel dieses Artikels ist es, die Menschen hinter den Akten sichtbar zu machen – ihre Persönlichkeit, ihre Beziehungen, ihre Hoffnungen und ihre Würde – und so ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.