Kürzlich hat Marcel Schmale beispielsweise ein Team beraten, das ihn um Rat gebeten hat. Eine junge Frau, die von den Kolleginnen und Kollegen begleitet wird, nutzt für den Schulweg aufgrund ihrer Beeinträchtigung einen Rollstuhl.
Für ihre Sicherung braucht sie einen Bauchgurt, für den ein richterlicher Beschluss vorlag. Denn auch das ist eine freiheitsentziehende Maßnahme. Diese ist heute aber nicht mehr notwendig, da die junge Frau Kompetenzen aufgebaut hat und den Gurt nun selbstständig öffnet und schließt.
Manchmal helfen kleine Veränderungen
Solche Beratungen gehören zum Alltag der Fachkräfte für Gewaltprävention. Dabei schauen sie mit den Beteiligten auf die Situation: Was passiert konkret? Was führt dazu, dass eine Einschränkung notwendig erscheint? Lässt sich etwas an den Abläufen oder an der Umgebung verändern? Können Klientinnen und Klienten bestimmte Fähigkeiten entwickeln und dadurch selbstständiger handeln?
„Ich bin in diesen Situationen nicht dazu da, um zu belehren, sondern um in den Gedankenaustausch mit den Kolleginnen und Kollegen zu kommen“, betont Marcel Schmale. Die Lösungen können ganz unterschiedlich aussehen.
In einem Fall ging es um eine Person, die häufig wegläuft und sich dabei in Gefahr bringt. Statt die Tür des Wohnangebotes zu verschließen, wurde gemeinsam mit der rechtlichen Betreuung eine andere Lösung vereinbart. Die Person trägt einen Tracker. Die Tür bleibt offen und sie kann das Haus jederzeit verlassen. Wenn sie das Haus verlässt, werden die Mitarbeitenden informiert und können sie auffinden.
Blick von Außen
Seit 2020 bildet die Diakonische Stiftung Wittekindshof Fachkräfte für Gewaltprävention aus und hat sie in allen Geschäftsbereichen und Regionen etabliert. Sie sind Teil eines umfangreichen Gewaltschutzkonzeptes und beraten nicht in den Bereichen, in denen sie selbst tätig sind, sondern geschäftsbereichsübergreifend. Dadurch bringen sie einen Blick von außen in die jeweilige Situation ein.
„Neben der Beratung bei freiheitsentziehenden Maßnahmen ist es auch unsere Aufgabe, Risikoanalysen durchzuführen“, erklärt Marcel Schmale. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden wird geschaut, wo im Alltag Risiken für den Gewaltschutz bestehen und was verändert werden kann. Dabei werden unter anderem die räumliche Situation und Ausstattung, Personalschlüssel und Qualifikation der Mitarbeitenden, Abläufe, die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche sowie das Ideen- und Beschwerdemanagement betrachtet. Auch die Einarbeitung und Schulung von Mitarbeitenden, Fallberatung, individuelle Teilhabeplanung und Krisenprävention spielen eine Rolle. Aus der Risikoanalyse entstehen konkrete Empfehlungen und ein Maßnahmenplan.