"Die Telefonnummer vom Haus Kinderheimat hat unsere Mutter nie aus ihrem Telefonbuch entfernt. Die Telefonnummer hatte eine große Bedeutung für sie", erklärte Jutta Wiegmann und erinnerte dabei an ihre Nichte Lisa Marie. Sie wäre heute 16 Jahre alt, aber ist bereits elf Tage nach ihrem ersten Geburtstag gestorben.
Familie erstellt Besuchsplan
Die Lebenserwartung von Lisa-Marie war von Anfang an schlecht. Immer wieder hat sie sich durch schwere Krisen gekämpft. Erst musste sie monatelange in der Kinderklinik leben. Dann ist sie entgegen der Empfehlung der Klinik zu ihren Eltern nach Hause gekommen. Das kleine Mädchen mit den blonden Haaren hatte längst die gesamte Familie in Bewegung gebracht. "Wir haben Pläne gemacht, dass immer jemand von uns bei Lisa-Marie ist – erst in der Klinik, aber auch dann, als sie nach Hause gekommen ist", erinnerte sich ihre Tante. Trotzdem stellte sich schnell heraus, dass die Versorgung von Lisa-Marie die komplette Familie überforderte. Durch ihren hohen Betreuungsaufwand wäre auch ihr großer Bruder auf Dauer zu kurz gekommen.
Atmosphäre überzeugt
Schon in der Kinderklinik hat man den Eltern den Wittekindshof empfohlen. Dem Rat folgten die Eltern und nahmen Kontakt zum Haus Kinderheimat aus, damals und heute eines der wenigen Wohnhäuser, dass auch Säuglinge und Kleinkinder mit schwerster Behinderung aufnimmt. "Die Atmosphäre in dem Haus hat mich sofort überzeugt. Das war ganz anders als ich es mir in einem Heim vorgestellt habe", berichtet der Vater.
Alle sind gerne zu Besuch gekommen
Lisa-Marie zog daraufhin in die Wohngruppe 7 der Kinderheimat. Auch weiterhin stand die Familie treu hinter dem kleinen Mädchen. Auch ihre damals bereits über 75 Jahre alte Großmutter und deren Schwestern machten sich auch im Winter alleine mit dem Auto oft auf den Weg, um ihr Enkelkind zu besuchen und abends ins Bettchen zu bringen. "Wir sind alle gern hier hergekommen, wurden freundlich empfangen und man hat uns großen Freiraum gelassen. Für uns wurde dieser Ort etwas Vertrautes und gehörte schließlich mit zur Normalität", erinnerte sich Jutta Wiegmann, als sie jetzt zusammen mit ihrem Bruder, dem Vater von Lisa-Marie, und weiteren Familienangehörigen zurück gekommen ist, um noch einmal Danke zu sagen für die Betreuung und eine Spende in Höhe von 2.130 Euro zu überreichen.
Spende für Urlaubsfahrten
"Als die Oma von Lisa Marie vor wenigen Wochen gestorben ist, waren mein Bruder und ich uns sofort einig, dass es auch ganz im Sinne von Lisa-Maries Omas ist, wenn wir auf Blumen verzichten und um Spenden für die Wohngruppe bitten, in der Lias Marie so gut versorgt wurde. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass die Betreuerinnen sich immer große Mühe gaben, Lisa-Marie hübsch zu kleiden, ihr auch mal eine witzige Frisur machten oder sie mit einer lustigen Spange im Haar schmückten" erklärte Jutta Wiegmann. Sie überreicht das Geld an Ulrike Henning. Die Mitarbeiterin im Betreuungsdienst kannte sie noch von früher. Ihr Vorschlag, das Geld für Urlaubsfahrten für Kinder mit schwerster Behinderung einzusetzen, begrüßte die Familie sofort.