Zeit im Wittekindshof
Wegen seiner starken motorischen Unruhe brachten ihn die Eltern am 25. Juni 1925 in die Anstalt Langenhagen bei Hannover. Nach der Auflösung dieser Einrichtung im Jahr 1938 wurde Felix Kanner am 14. März 1938 in den Wittekindshof verlegt und im Haus Friedenshöhe untergebracht. Die Kosten für seine Unterbringung übernahm sein Vater, der in Berlin-Charlottenburg lebte.
Eine erste Beurteilung im Wittekindshof nach zehn Tagen beschrieb Felix Kanner als meist freundlich und zugänglich, allerdings müsse er wegen seiner Neigung zu Erregungszuständen vorsichtig behandelt werden. Im Februar 1939 wurde er als ruhig im Verhalten, leicht lenksam und als starker Bettnässer geschildert. Er war arbeitstherapeutisch in der Wagenkolonne beschäftigt.
Im Jahr 1939 emigrierte seine Mutter Herta Kanner nach Paris. Von dort aus erkundigte sie sich im Juli 1939 nach dem Wohlergehen ihres Sohnes und fragte, ob die Pflegekosten weiterhin bezahlt würden, da Max Kanner inzwischen in Brasilien lebte. Bis Juni 1939 zahlte der Vater, anschließend übernahmen für zwei Monate die Jüdische Wohlfahrtspflege in Westfalen, dann die Provinzialbehörde Westfalens und schließlich die Jüdische Wohlfahrts- und Jugendpflegestelle Berlin die Kosten.
Ende Oktober 1939 wurde Felix Kanner wegen starker Durchfälle in die Abteilung Sachsenkreuz verlegt, blieb dort bis zum 12. Januar 1940 und kehrte dann aus Platzgründen wieder in die Friedenshöhe zurück. Im Juli 1940 wurde erstmals ein schwerer epileptischer Anfall bei ihm beobachtet.