Wie hieß diese Pflanze nochmal? Wie musste der Buchsbaum korrekt umgetopft werden? Worauf musste beim Vermehren von Zierpflanzen geachtet werden? Im Laufe einer Ausbildung im Gartenbau im Berufsbildungswerk des Wittekindshofes müssen die jungen Frauen und Männer mit Behinderung viel lernen. Um ihnen das Lernen zu erleichtern, kommen neuerdings gesponserte iPads zum Einsatz. Ausgestattet mit besonderen Programmen, können die Auszubildenden damit eigene Lehrvideos drehen.
Intensive Auseinandersetzung mit Themen
"Wir stellen den Auszubildenden eine Aufgabe, etwa das Vermehren von Zierpflanzen. Dann müssen sie ein Drehbuch mit den einzelnen Arbeitsschritten erstellen. Diese werden nacheinander gefilmt und anschließend bearbeitet und zu einem Film geschnitten", erklärt Ausbildungsleiter und Gartenbaumeister Sebastian Kirchner, der die Anschaffung der iPads initiiert hat. Die kurzen Lehrvideos dienen als Grundlage für das praktische Tun und zur Vorbereitung auf die Prüfungen. "Die Auszubildenden setzen sich theoretisch und praktisch intensiv mit den Lehrinhalten auseinander. Das festigt das Wissen zusätzlich", sagt Kirchner.
Viele Einsatzmöglichkeiten
Doch mit der Zeit haben sich noch viele weitere, hilfreiche Einsatzmöglichkeiten der iPads ergeben. So lernen die Auszubildenden die botanischen Namen der Pflanzen mit Hilfe des tragbaren Computers. Lehrinhalte können unabhängig der Jahreszeit wiederholt werden, etwa die Besonderheiten der Pflege eines Weihnachtssterns im Sommer. Weiterhin können Filme der Berufsgenossenschaft zum Thema Arbeitsschutz abgespielt und PDF-Dateien zur Verfügung gestellt werden. "Da die Auszubildenden immer in kleinen Teams von zwei bis vier Personen arbeiten, wird auch die Teambildung gefördert. Und ein ganz wichtiger Punkt ist das Trainieren und Weiterentwickeln der Rechtschreibung und der Lesefähigkeit der Schüler", sagt Sebastian Kirchner. Er berichtet, dass die jungen Erwachsenen sehr sorgsam mit den Geräten umgehen: "Ihnen ist bewusst, dass die iPads teure Geräte sind. Sie finden es toll, damit arbeiten zu dürfen und sind dementsprechend vorsichtig."
Anstellung in der freien Wirtschaft gefunden
Die Gruppe Auszubildender, die das Umtopfen eines Buchsbaums dokumentiert, hat viel Spaß ihrer Aufgabe. "Die Arbeit mit den iPads ist toll. Wir schreiben auf, was wir machen müssen und filmen dann alles. Wenn etwas nicht geklappt hat, drehen wir es einfach nochmal. Dann können wir uns den Film anschauen, wenn wir nicht mehr wissen, wie etwas ging", berichtet ein junger Mann, der eine theoriereduzierte Werker-Ausbildung im Gartenbau begonnen hat. Manche seiner Kolleginnen und Kollegen absolvieren auch eine Vollausbildung mit einer abschließenden Gesellenprüfung. Insgesamt haben im Jahr 2016 mehr als 35 junge Frauen und Männer im Alter von 16 bis 23 Jahren an dem Ausbildungsgang Gartenbau teilgenommen. Einige Auszubildende haben mittlerweile ihre Abschlussprüfung erfolgreich gemeistert. Überwiegend konnten sie eine Anstellung in der freien Wirtschaft finden.