Arbeit

Wenn Unternehmen Potenziale entdeckenWittekindshofer Werkstätten Gronau beteiligen sich am bundesweiten Schichtwechsel

Was passiert, wenn Menschen mit und ohne Beeinträchtigung für einen Tag die Arbeitsplätze tauschen? Beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ haben die Wittekindshofer Werkstätten in Bad Oeynhausen und Gronau gemeinsam mit Marktkauf Bünde, IMI Buschjost, texidea care und Neufilter Begegnungen zwischen unterschiedlichen Arbeitswelten ermöglicht. 

Die Beteiligten lernten neue Tätigkeiten und Arbeitsabläufe kennen, entdeckten Potenziale und bauten Berührungsängste ab.

Austausch in Bad Oeynhausen

Nach einem gemeinsamen Frühstück zum Kennenlernen erkundeten Beschäftigte der Wittekindshofer Werkstätten die Arbeitsbereiche von Marktkauf Bünde und IMI Buschjost in Bad Oeynhausen und probierten dort Tätigkeiten aus. Mitarbeitende der beiden Unternehmen kamen in die Werkstatt an der Sonnenbrede und packten gemeinsam mit den Beschäftigten vor Ort an. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von Größe und Vielfalt der Arbeitsbereiche und davon, wie abwechslungsreich die Aufgaben sind.

„Viele Menschen haben ein veraltetes Bild von Werkstätten im Kopf. Der Schichtwechsel zeigt, wie vielfältig Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sind und wie viel Potenzial in unseren Klientinnen und Klienten steckt“, sagte Marta Pohl, Geschäftsbereichsleitung für Arbeit und berufliche Bildung in Bad Oeynhausen.

Schichtwechsel in Gronau

Die Wittekindshofer Werkstätten in Gronau nahmen zum dritten Mal am Schichtwechsel teil. Nezir Ali und Manuel Helfer erhielten bei der texidea care GmbH in Ochtrup Einblicke in Logistik und Kommissionierung. Waldemar Ott lernte bei der Neufilter GmbH in Gronau die Herstellung nachhaltiger Filtersysteme kennen. Er lobte die freundlichen Kolleginnen und Kollegen, die angenehme Gruppe und die passenden Aufgaben, bei denen man geschaut habe, wie er zurechtkomme: „Das war super.“

Im Gegenzug arbeiteten Mitarbeitende der Unternehmen in der Werkstatt. Sie lernten deren Dienstleistungen und die engen Verbindungen zur lokalen Wirtschaft in Gronau und Epe kennen. Tobias Plugge, Fachkraft für Übergangsförderung der Wittekindshofer Werkstätten in Gronau, beschrieb den Schichtwechsel als Brücke zwischen Arbeitswelten. Der Austausch solle neue Perspektiven schaffen sowie Vorurteile und Berührungsängste abbauen.

Die Suche nach Tauschpartnern sei wegen der wirtschaftlichen Lage und des Personalmangels nicht einfach gewesen, erklärte Plugge: Für viele Betriebe sei es schwierig, Mitarbeitende für einen Tag freizustellen. Umso wertvoller sei das Engagement der texidea care GmbH und der Neufilter GmbH, die bereits bekannte Partner der Werkstätten sind.

Frank Brandt, Geschäftsführer von texidea care, kennt die Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung aus seinem früheren Berufsleben und möchte bald auf jeden Fall wieder Menschen einstellen. Das fördere im Unternehmen Achtsamkeit und eröffne neue Sichtweisen auf Arbeitsprozesse. Robin Schleiner von der Neufilter GmbH verwies auf die langjährige Zusammenarbeit mit dem Wittekindshof. Auch Unternehmen, die noch unsicher seien, ermutige er zum Mitmachen. Für Fragen zur Einstellung und langfristigen Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung stehe er anderen Betrieben gern zur Verfügung.

Zum Abschluss erhielten die Verantwortlichen der beteiligten Unternehmen ein Eigenprodukt aus den Wittekindshofer Werkstätten Gronau als Dankeschön. Außerdem bot eines der Unternehmen einem Beschäftigten der Werkstätten direkt ein Praktikum an.

Bundesweiter Aktionstag

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) koordiniert den Aktionstag. Sie ist der bundesweite Zusammenschluss von Trägern, die Menschen mit Behinderungen Teilhabe an Arbeit und Gesellschaft ermöglichen.

Die beiden Pressemitteilungen nennen für 2026 unterschiedliche Zahlen zur bundesweiten Beteiligung: Die Mitteilung aus Bad Oeynhausen spricht von rund 4.800 Teilnehmenden und einem neuen Rekord. Die Mitteilung aus Gronau nennt rund 5.000 Menschen, die in etwa 400 Werkstätten für behinderte Menschen ihre Arbeitsplätze tauschten – ebenfalls ein neuer Höchststand.