Wittekindshof

"Wer ist hier eigentlich behindert?"

Mit einer provokanten Frage wandte sich Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher des Wittekindshofes, an die mehr als 340 Gäste des Aschermittwochsempfangs 2018 und insbesondere an den Gastredner NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann: "Wer ist hier eigentlich behindert?" Zuvor hatte er einen Kurz-Film über Detlef Luchtmeier gezeigt, einem Mann, der mit schwerer Mehrfachbehinderung in einem der Wittekindshofer Wohnhäuser lebt. Er kommuniziert ohne Worte.

Starnitzke fordert bei der Bedarfsermittlung Unterstützung für Menschen mit Behinderung

Und, wer ist nun behindert, "Detlef Luchtmeier oder wir, weil im Kontakt mit ihm unsere Einschränkungen deutlich werden, ihn mit seiner Kommunikationsweise richtig zu verstehen?", fragte Starnitzke. Für Menschen wie Detlef Luchtmeier, Menschen mit schwerer mehrfacher und vor allem geistiger Behinderung sehe er ein hohes Risiko bei der Umsetzung des neuen Bundesteilhabegesetzes (BTHG): mit der Komplexität der gesetzlichen Regelungen nicht zurecht zu kommen und dadurch benachteiligt zu werden.

Denn sie müssen zukünftig mit ihren rechtlichen Betreuern ihren Unterstützungsbedarf direkt gegenüber den Leistungsträgern wie etwa dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) geltend machen. Dabei hätten auch die rechtlichen Betreuer oft große Probleme beim Verstehen. Starnitzke appellierte deshalb an Minister Laumann: "Es ist dringend geboten, dass diese Menschen im gesamten Verfahren von Vertrauenspersonen begleitet und unterstützt werden, die sie gut kennen und ihren Wunsch und Willen verstehen und übersetzen können."

Detlef Luchtmeier wird verstanden – vorher ist Aufbau von Vertrauen und Beziehungsarbeit notwendig

Detlef Luchtmeier hat in Clarissa Maschmeier, die als stellvertretende Bereichsleitung in seiner Wohngruppe arbeitet, solch eine Person gefunden. Sie ist auch im Kurz-Film zu sehen: "Detlef redet mit Mimik, Gestik und dem ganzen Körper. Er äußert seine Wünsche von sich aus. Wichtig ist, sich ganz viel Zeit für ihn zu nehmen. Vertrauen und Beziehungsaufbau helfen beim Verstehen." Auch sein Bruder Joachim Luchtmeier, der sein rechtlicher Betreuer ist, gehört zu den Menschen, die ihn und seine Art zu kommunizieren, verstehen. Wobei Joachim Luchtmeier ganz ehrlich sagt: "Ich kann nicht alles verstehen, was Detlef sagt. Die Betreuer im Wittekindshof sind da viel besser als ich."

Laumann: "Gesetz im Interesse der Behinderten umsetzen"

Gastredner NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann lobte das neue BTHG. Es sei ein bedeutender Aufbruch in der Behindertenhilfe. Erstmals werde der Mensch mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt gestellt. "Und ich glaube, dass wir in NRW dieses Gesetz im Interesse der Behinderten umsetzen können", betonte er.

Mehr über den Aschermittwochsempfang lesen Sie in der Pressemitteilung: "Sozialminister Laumann lobt BTHG als Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion" oder in der Pressemitteilung: "Sozialminister Laumann: Menschen in sozialen Berufen sind unverzichtbar".