Wohnen & Assistenz

Wittekindshof schafft dringend benötigtes WohnangebotWohnhaus und Tagesstruktur für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung entstehen in Kirchlengern

Die Diakonische Stiftung Wittekindshof errichtet an der Rüterstraße in Südlengern ein Wohnhaus für Menschen mit chronischer psychischer Beeinträchtigung. 

Der zweigeschossige Neubau besteht aus zwei Gebäudekörpern mit insgesamt 24 Wohnplätzen sowie zwei Krisenplätzen. Ergänzt wird das Angebot durch ein separates Gebäude mit 26 Tagesstrukturplätzen. Der Baubeginn ist Anfang 2027 geplant, die Fertigstellung für Herbst 2028. Für den Wittekindshof ist es der erste Standort in der Gemeinde Kirchlengern.

Kreis Herford spielt wichtige Rolle

Der Neubau ist Teil der Regionalisierungsstrategie, die der Wittekindshof seit vielen Jahren konsequent. Die Stiftung entwickelt ihre Angebote wohnortnah und sozialraumorientiert, um Menschen mit Beeinträchtigung ein Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. „Insbesondere im Kreis Herford werden in den nächsten Jahren neue Wohnangebote entstehen“, erklärt Pfarrer Marian Zachow, Theologischer Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof.

Dass der Kreis Herford dabei eine wichtige Rolle spielt, hat einen Grund: Die Region gilt seit Jahren als unterversorgt, wenn es um gemeinschaftliche Wohnformen für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung geht. „Mit diesem Angebot schließen wir somit eine wichtige Lücke in der Versorgungslandschaft“, erklärt Maik Brands, Fachstab Psychiatrische Hilfen beim zuständigen Wittekindshofer Geschäftsbereichs SoLe und verantwortlich für die inhaltliche konzeptionelle Ausrichtung des Neubaus. Das Angebot wurde daher in enger Abstimmung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und den Partnern im Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV) entwickelt.

Angebot für Erwachsene

Das Wohnangebot richtet sich an erwachsene Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung Unterstützung im Alltag benötigen. Bei den Frauen und Männern handelt es sich um einen heterogenen Personenkreis, der Unterstützung im Alltag, etwa bei der Haushaltsführung, der Gestaltung sozialer Beziehungen oder der Freizeitgestaltung sowie in der psychiatrischen und therapeutischen Versorgung benötigt. In Phasen psychischer Stabilität können viele ihren Alltag jedoch weitgehend eigenständig gestalten. 

„Viele von ihnen haben bereits mehrere Klinikaufenthalte hinter sich und sind sozial entwurzelt. Unser Ziel ist es, ihnen einen stabilen Ort zu bieten, an dem sie wieder Wurzeln schlagen können“, beschreibt Maik Brands den Ansatz. Die Konzeption orientiere sich dabei konsequent an den individuellen Bedarfen der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner.

Jedes der Apartments verfügt über einen Wohn- und Schlafbereich, ein eigenes Badezimmer sowie einen Essbereich, der je nach Fähigkeiten mit einer Modulküche ausgestattet werden kann. Die Erdgeschosswohnungen haben direkten Zugang zum Garten, im Obergeschoss führt ein Gemeinschaftsbalkon ins Freie. Vier der Apartments sind rollstuhlgerecht gestaltet. Gemeinschaftsräume mit Küche, Therapieräume und Hauswirtschaftsbereiche ergänzen das Angebot.

Eine Besonderheit sind die zwei Krisenplätze, die auch Menschen offenstehen, die nicht im Wohnhaus leben und von der Stiftung etwa ambulant unterstützt werden. „Viele Menschen verbinden Psychiatrieaufenthalte mit negativen Erfahrungen. In unseren Krisenzimmern können sie sich in einem wohnlichen Umfeld stabilisieren und einen Klinikaufenthalt möglicherweise vermeiden“, erläutert Maik Brands. Gleichzeitig entlaste das Angebot die Psychiatrien, die derzeit stark überlastet seien.

Die Tagesstrukturierenden Angebote (TSA) im separaten Gebäude richten sich sowohl an die Mieterinnen und Mieter des Wohnhauses als auch an externe Nutzerinnen und Nutzer aus dem Kreis Herford. Dort werden Menschen, die noch nicht in einer Werkstatt oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, schrittweise darauf vorbereitet. Die Räumlichkeiten sollen bei Bedarf auch ortsansässigen Vereinen und Nachbarinnen und Nachbarn für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.

Eigenständige Lebensführung

Die Lage in Südlengern biete gute Voraussetzungen für eine eigenständige Lebensführung, wie Maik Brands betont: Ein Lebensmittelmarkt ist etwa 500 Meter entfernt, ein Ärztehaus rund 1,2 Kilometer. Die Bushaltestelle Kirchstraße befindet sich direkt am Grundstück und bietet Verbindungen nach Herford und Bünde. 

„Uns war wichtig, einen Standort zu finden, der in eine gewachsene Nachbarschaft eingebettet ist und gleichzeitig eine gute Infrastruktur bietet“, so Brands weiter. Der Wittekindshof unterstütze bereits seit vielen Jahren Menschen mit psychischer Beeinträchtigung im Kreis Herford, unter anderem im Wohnhaus an der Clarenstraße in Herford, das 2017 eröffnet wurde.