Hamm/ Kreise Warendorf und Unna/ Bad Oeynhausen (AM). Die Diakonische Stiftung Wittekindshof aus Bad Oeynhausen hat das Gebäude des ehemaligen Haushaltswarengeschäftes Halberstadt (Ritterstraße 26-28) gekauft. Bereits seit 2013 war der Wittekindshof Mieter und hat im Erd- und im ersten Obergeschoss Büros, Besprechungsräume und vor allem das Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) mit dem Café Mittendrin angeboten.
"Als wir gehört haben, dass die Ordensgemeinschaft der Hiltruper Herz-Jesus-Missionare das Gebäude verkaufen wollen, begann für uns eine Zeit der Ungewissheit. Der zentrale Standort in der Innenstadt mit Bahnhofsnähe ist für uns ideal, aber die Zeit der großen Häuser in der Behindertenhilfe ist vorbei", erklärt Diakon Hartmut Wloka, der als Geschäftsbereichsleiter für die Wittekindshofer Angebote in Hamm und im Kreis Warendorf verantwortlich ist. Zusätzlich ist er Geschäftsführer der Lebensräume gestalten (Lege) gGmbH, der gemeinsamen Tochtergesellschaft der Evangelischen Perthes-Stiftung e. V. und des Wittekindshofes, die zurzeit ein neues Wohnhaus für Menschen mit Behinderung in Bönen baut und ein weiteres in Holzwickede plant.
Geschäftsstelle und Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung
Das Gebäude an der Ritterstraße ist Geschäftsstelle und Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung. "Wenn wir in wenigen Wochen den Neubau in Rhynern beziehen wird der Wittekindshof alleine in Hamm und im südlichen Kreis Warendorf insgesamt rund 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung unterstützen. Bei unserer ambulanten Arbeit stoßen wir an Grenzen. Es fehlen bezahlbare barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderungen", berichtet Wloka und verweist damit auf ein entscheidendes Kaufargument für das Eckgebäude an der Ritterstraße ganz in der Nähe des Allee-Centers und des geplanten neuen Rittersquartiers. "Es gibt bereits fünf Einzelappartements im zweiten Ober- und Dachgeschoss, die mit einem Aufzug erreichbar sind. Eine ehemalige Zahnarztpraxis im zweiten Obergeschoss und Büroräume stehen leer. Der Wittekindshof hat die Gebäudesubstanz eingehend geprüft und nicht zuletzt als feststand, dass weitere Wohnungen geschaffen werden können, sich für den Kauf der Immobilien entschlossen", berichtet Wloka, der sich freut dass die Aktion Mensch und die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW den Kauf und den Umbau für die neuen Wohnungen fördert.
Umbau für neue Wohnungen
Anfang Oktober wird mit dem Bauarbeiten innerhalb des Hauses begonnen. Behinderungen des Straßen- und Fußgängerverkehrs wird es kaum geben außer durch An- und Ablieferung von Baumaterial. Entstehen sollen je vier Einzelappartements in den leerstehenden Büro- und Praxisräumen im ersten und zweiten Obergeschoss. Vier der acht Appartements erhalten eine größere Grundfläche zum Rangieren und Abstellen der Rollstühle. Im Umbaubereich wird die Gebäudesubstanz voll entkernt. Der komplette Fußboden wird erneuert und neue Innenwände in Trockenbauweise einschließlich zeitgerechter Bäder, neuer Haustechnik inklusive Heizung und Versorgungsleitungen für Strom, Frisch- und Abwasser installiert. Der verantwortliche Wittekindshofer Bauprojektleiter, Karsten Brameier, rechnet mit einer Bauzeit von rund acht Monaten und geht davon aus, dass im Frühsommer die neuen Mieter einziehen können.
"Hier isses gut. In der Stadt ist immer ´was los!"
Bis dahin müssen das Nagelstudio, das im Erdgeschoss Geschäftsräume gemietet hat, genauso wie die Wittekindshofer Mitarbeitenden und die Gäste des KIZ Café Mittendrin mehr Staub und Dreck und Baulärm ertragen. Zu den bisherigen Mieter gehört auch Bernhard Rensen. Der Rentner nutzt das Ambulant Unterstützte Wohnen des Wittekindshofes für Menschen mit Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung und hat bereits seit mehreren Jahren eine Wohnung in Dachgeschoss gemietet. Er schätzt die zentrale Wohnlage in der Innenstadt: "Hier isses gut. Die Wege sind kurz und in der Stadt ist immer ´was los, viel besser als in meiner alten Wohnung."
Der Wittekindshof in Hamm
Seit Jahrzehnten unterstützt der Wittekindshof Menschen mit Behinderung aus Hamm. Lange Zeit war das nur möglich auf dem Gründungsgelände in Bad Oeynhausen, in einer der zwei ostwestfälischen Zweigeinrichtungen oder in Gronau an der holländischen Grenze. Seit 2006 ist der Wittekindshof auch vor Ort in Hamm tätig, um weite Anfahrtswege zu vermeiden und wohnortnah die Unterstützung anzubieten, die Menschen mit Behinderung brauchen. Die ersten Wittekindshofer Angebote im Hamm und im Kreis Warendorf waren Ambulant Unterstütztes Wohnen für Frauen und Männer mit Behinderung, die in der eigenen Wohnung leben. Schon früh hat der Wittekindshof das Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) in der Ostenallee eröffnet, das 2013 in die Rittterstraße umgezogen ist. Mittlerweile bietet der Wittekindshof in Hamm neben dem ambulanten Wohnen drei Wohnhäuser für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und Betreutes Wohnen in Gastfamilien sowie Sozialpädagogische Familienhilfe an. In wenigen Wochen wird das Wohnhaus in Rhynern mit 24 Einzelzimmern für Erwachsen und zusätzliche Räumen für Tagesstrukturierende Angebote eröffnet. Eine Hauswohngemeinschaft und ein kleineres Wohnhaus sind in der Brentanostraße geplant.