Wittekindshof schließt medizinische Versorgungslücke für behinderte Erwachsene

Bad Oeynhausen/ OWL (AM). Menschen mit Behinderung bekommen grippale Infekte, brechen sich ein Bein, haben Herzprobleme und viele andere Erkrankungen. Haus- und Fachärzte übernehmen die Behandlung, aber das reicht nicht immer: "Wenn Menschen mit Behinderung nicht mit Worten sprechen, können sie auch nicht sagen, welche Beschwerden sie haben. Für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen kann schon das volle Wartezimmer ein enormer Stressfaktor sein und bei komplexen Behinderungen müssen Wechselwirkungen beachtet werden", erklärt Dr. Christian Kappe, Leitender Arzt der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Als Ergänzung zur Regelversorgung können Kinder und Jugendliche Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) nutzen.

Eine der ersten Ermächtigungen für ein MZEB

Für erwachsene Menschen mit Behinderung gab es bisher eine Versorgungslücke, die durch eine Gesetzesänderung im Sommer 2015 geschlossen werden soll: "Der Wittekindshof hat eine der ersten Ermächtigungen durch den Zulassungsausschuss für Ärzte und Krankenkassen für ein Medizinisches Behandlungszentrum für erwachsene Menschen mit Behinderung, kurz MZEB, bekommen. Für alle erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung oder schwerer Mehrfachbehinderung bieten wir eine spezialisierte medizinische Versorgung an, die die Behandlung durch Haus- und Fachärzte ergänzt", berichtet Dr. Christina Heinrich, die den Fachbereich Gesundheit des Wittekindshofes koordiniert.

Unkonventionell auf individuelle Bedürfnisse eingehen

Bereits seit Ende letzten Jahres werden die ersten Patientinnen und Patienten im Wittekindshofer MZEB behandelt. "Noch ist der Einzugsbereich des Wittekindshofer MZEBs sehr groß, weil in unserer Region bisher nur in Hannover ein weiteres MZEB seine Arbeit aufgenommen hat" erklärt Heinrich und weißt darauf hin, dass vor allem in der Diagnostik großer Nachholbedarf besteht, weil erst mit einer ärztlichen Diagnose Anspruch auf besondere Förderung und Unterstützung bestehe. "Die MZEB-Patienten profitieren von der jahrzehntelangen Wittekindshofer Erfahrung. Unsere Mitarbeiterinnen finden auch Zugang zu Menschen, bei denen die Kommunikation und Interaktion erschwert ist. Sie setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit Angehörigen und Begleitpersonen, erklären mit einfachen Worten und Bildern, was sie machen, und wissen, wie wichtig es sein kann, auch bei der Behandlung eine Postkarte in der Hand zu halten", berichtet Heinrich, die sich freut, dass die Mitarbeitenden auch unkonventionell auf individuelle Bedürfnisse eingehen und sich beispielsweise auf den Fußboden zu einer Patientin setzten, um eine Blutabnahme überhaupt zu ermöglichen.

Medizinisches Zentrum für die ambulante Versorgung

Jetzt sind die Umbauarbeiten für das <link internal-link>Medizinische Zentrum im Nordflügel des Hauses Bethanien auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände abgeschlossen: "Bethanien wurde vor knapp 90 Jahren als eines der modernsten Krankenhäuser in der Region eröffnet. Es war spezialisiert auf die Behandlung von Menschen mit Behinderung. Bethanien ist längst ein Wohnhaus geworden, aber der Ärztliche Dienst hat immer ein wichtiges Standbein im Haus behalten. Jetzt haben wir ein Medizinisches Zentrum für die ambulante Versorgung geschaffen, bei dem wir großen Wert auf Barrierefreiheit und gute Rahmenbedingungen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt haben", erklärt der für den Bereich Gesundheit verantwortliche Wittekindshofer Ressortleiter Diakon Reiner Breder.

Medizinisches Zentrum Wittekindshof

Unter dem Dach des Medizinischen Zentrums Wittekindshof sind verschiedene Dienste vereint. Das neue MZEB wendet sich an alle erwachsenen Menschen aus der Region mit geistiger Behinderung, schwerer Mehrfachbehinderung oder Autismus-Spektrum-Störung. Umgezogen in das neue Medizinische Zentrum sind aber auch alle Wittekindshofer Ärztinnen und Ärzte des Integrierten Medizinischen Dienstes für Menschen, die Wittekindshofer Wohnangebote nutzen. Außerdem werden in den neuen Räumlichkeiten Sprechstunden von Gynäkologen, Urologen, Orthopäden, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Hautärzten angeboten. Neu eröffnet wurde die private Praxis für Psychiatrie und Physiotherapie von Dr. Christian Kappe, der darüber hinaus mit Zulassung aller Krankenkasse suchtmedizinische Grundversorgung anbietet. Auch die Therapeutischen Praxen für Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie oder Sprachtherapie haben weiterhin Behandlungsräume im Haus Bethanien.

Medizinisches Symposium

Ein <link https: www.wittekindshof.de aktuelles veranstaltungen verid symposium-behindertenmedizin-1511564400 external-link-new-window>medizinisches Symposium zur Behindertenmedizin für Ärzte und Ärztinnen,  Pschotherapeutinnen und Psychotherapeuten und weitere Mitarbeitenden im Gesundheitsbereich veranstaltet das Medizinische Zentrum Wittekindshof am 25. November 2017.

Tag der offenen Tür

Zur Fertigstellung der Umbauarbeiten bietet das Medizinische Zentrum Wittekindshof (Pfarrer-Krekeler-Straße 15) am Freitag, 20. Oktober, von 11 bis 15 Uhr, einen Tag der Offenen Tür an. "Wir freuen uns, auf die Rückmeldungen der Besucher, die unsere Wegeleitung mit Pictogrammen, Leichter Sprache und einem Servicecomputer mit Sprachausgabe im Eingangsbereich oder Spezialausstattung wie Lifter- und Rollstuhlwaage kritisch testen können", kündigt Heinrich an.

Medizinisches Zentrum Wittekindshof

  • Medizinisches Behandlungszentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB)
  • Integrierter Medizinischer Dienst für Menschen, die Wittekindshofer Wohnangebote nutzen
  • Sprechstunden verschiedener Fachärzte
  • Praxis Dr. Christian Kappe für Psychiatrie und Psychotherapie sowie suchtmedizinische Grundversorgung
  • Praxis für Ergo-, Physio- und Sprachtherapie oder Logopädie