Hamm (AM). Das freie Grundstück in der Brentanostraße am südlichen Rand der Hammer Innenstadt in der Nähe des Altenzentrums Liebfrauen ist verkauft. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof plant auf der einen Hälfte ein Wohnhaus für 12 junge Erwachsene mit Behinderung. "Es fehlen Wohnangebote für Menschen mit Behinderung in Hamm. Vor allem brauchen wir differenzierte Wohnformen, weil sich die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung im Laufe des Lebens verändern. Die einen brauchen mehr Unterstützung, andere werden selbständiger", erklärt Diakon Hartmut Wloka, der für die Wittekindshofer Angebote in Hamm und im Kreis Warendorf als Geschäftsbereichsleiter verantwortlich ist. Weil viele Bewohner der drei Wittekindshofer Wohnhäuser für Kinder und Jugendliche mittlerweile erwachsen sind, müssen wir ihnen eine neue Perspektive anbieten: "Wenn sie arbeiten, wollen sie auch wie Erwachsene wohnen. Aus Kindern werden Leute, das gilt selbstverständlich auch für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung", betont Wloka.
Wohnhaus für junge Erwachsene mit Behinderung
Die Bedarfsbestätigung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für das neue Wohnhaus an der Brentanostraße liegt vor. Einziehen sollen junge Erwachsene, die umfassende Unterstützung rund um die Uhr benötigen und zumindest zurzeit noch überfordert wären, wenn sie in eine eigene Wohnung umziehen. Jetzt werden detaillierte Pläne und Förderanträge erstellt, damit 2019/2020 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Bereits Ende diesen Jahres wird die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV) aus Münster mit dem Bau eines Wohnhauses mit zwölf Einzelappartements im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus beginnen.
Bezahlbare und barrierefreie Wohnungen
"Bezahlbare Wohnungen fehlen. Das ist auch ein großes Problem für Menschen mit Behinderung. Deswegen bauen wir barrierefreie Sozialwohnungen, von denen einige durch besondere Einbauten an die Bedürfnisse der Mieter angepasst sind, die mit einem Handicap unterwegs sind", berichtet WLV-Prokurist Matthias Gundler. Er betont, dass sich die WLV als 100-prozentiges Tochterunternehmen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), besonders für selbständige Wohnformen für Menschen mit Behinderung einsetzt: "Das dient dem Menschen mit Behinderung, weil er oder sie in einem privaten Wohnumfeld mit stundenweiser ambulanter Unterstützung frei leben kann. Aber es ist auch gut für die Gesellschaft, weil die Aufnahme in deutlich teurere stationäre Wohnangebote hierdurch vermieden wird, die mehrheitlich über Steuern finanziert werden müssen", erläutert Gundler, der schon seit mehreren Jahren mit dem Wittekindshof als Partner zusammenarbeitet.
"Die WLV hat in Vlotho und Minden Appartementhäuser gebaut, die der Wittekindshof als Hauswohngemeinschaft nutzt. Sie bieten auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf die Chance, in der eigenen Wohnung zu leben und trotzdem bei Bedarf auch nachts einen Ansprechpartner im Haus zu haben und Hilfe in all den Lebensbereichen zu bekommen, die nicht allein bewältigt werden können", erklärt der Wittekindshofer Projektleiter Werner Schmadel, der dabei auf die enge Zusammenarbeit des Ambulanten Unterstützten Wohnens, eines Pflegedienstes und einer Werkstatt für behinderte Menschen oder von Tagesstrukturierenden Angeboten setzt. Die Nachfrage nach solchen Wohnungen ist groß. "Junge Erwachsene, die bisher noch bei ihren Eltern oder in einem der drei Wittekindshofer Wohnhäusern für Kinder und Jugendliche leben und bereits recht selbständig sind, wollen den Schritt in eine eigene Wohnung wagen. Auf der anderen Seite suchen Frauen und Männer eine neue Wohnung, die aufgrund des Alters mittlerweile auf mehr Hilfe und eine barrierefreie Wohnung angewiesen sind. Durch die Hauswohngemeinschaft im neuen Appartementhaus können wir fließende Übergänge schaffen vom Wohnhaus mit umfangreicher Unterstützung in allen Lebensbereichen rund um die Uhr bis hin zum selbständigen Wohnen mit großer Eigenverantwortung in der eigenen Wohnung", erklärt Oliver Valerius, der für die ambulanten Wittekindshofer Angebot in Hamm und im Kreis Warendorf verantwortlich ist.
Erster Spatenstich in diesem Jahr für das Appartementhaus
Die Baugenehmigung, die Förderzusage der Wohnraumförderung und eine Sonderförderung des LWL für das Appartementhaus in der Brentanostraße liegen bereits vor. Zurzeit werden nach Auskunft von Matthias Gundler in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Schoeps & Schlüter aus Münster für das rund 1,7 Mio. Euro teure Projekt die öffentlichen Ausschreibungen vorbereitet, so dass noch in diesem Jahr der erste Spatenstich geplant ist. Im Erd- und Dachgeschoss werden jeweils zwei und in den beiden Obergeschossen jeweils vier Wohnungen entstehen. Mit angepassten Grundrissen, einigen speziellen Bau- und Technikdetails und stufenlosen Duschen werden vier Wohnungen speziell für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung gebaut. Zu jeder Wohnung gehören ein Wohnraum mit Küchenzeile, Schlafzimmer, Bad, Terrasse oder Balkon und ein Hauswirtschaftsraum, der auch Platz zum Abstellen für Rollstühle oder Rollatoren bietet. "Die zwölf Mieterinnen und Mieter werden neben ihrer eigenen Wohnung auch eine Gemeinschaftswohnung mit Küche mieten, in der sie sich zum gemeinsamen Kochen oder zu Freizeitaktivitäten treffen können. Der 13. Mieter wird der Wittekindshof sein, für den wir einen Servicebereich im Quartier fest eingeplant haben", kündigt Gundler an.